Tausende Menschen

© DPA/RALF HIRSCHBERGER

"Nazis raus"-Rufe und weiße Rosen in Dresden

Elisabeth Koch war fünf Jahre alt, als Dresden brannte. Dieses Bild hat die heute 69-Jährige niemals vergessen. Am Samstag gedachte sie wie viele andere Dresdner der mehr als 25.000 Menschen, die bei den Luftangriffen alliierter Bomber am 13. und 14. Februar 1945 ums Leben kamen. Die Dresdner wollten aber auch ein deutliches Signal setzen gegen Rechtsextremismus und Geschichtsverfälschung - und sie wollten die Erinnerung nicht den braunen Marschierern überlassen, die den Jahrestag der Bombardierung einmal mehr als Bühne für ihre Propaganda nutzten.

Polizei im Großeinsatz
Touristen, die am Wochenende gemütlich durch das Elbflorenz bummeln wollten, hatten sich den denkbar falschen Zeitpunkt ausgesucht. In der Innenstadt rund um den weltberühmten Zwinger und die Semperoper wimmelte es von Polizei.

Tausende Polizisten aus mehreren deutschen Bundesländern waren im Einsatz, um die zahlreichen Demonstrationen abzusichern und Zusammenstöße zwischen Rechtsextremen und Gegendemonstranten zu verhindern.

6.000 Menschen bei Sternenmarsch
Tausende Menschen aus zahlreichen Bundesländern waren dem Aufruf des Bündnisses "Gehdenken" aus Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und anderen Initiativen gefolgt, das in ganz Deutschland für den Protest gegen den Naziaufmarsch mobil gemacht hatte. Laut Polizei beteiligten sich mehr als 6.000 Menschen an einem Sternenmarsch durch die Stadt. Die Veranstalter sprachen sogar von bis zu 12.500 Teilnehmern. Mit Luftballons, Friedensfahnen und Transparenten mit Aufschriften wie "Die Welt ist bunt" setzten sie ein ganz deutliches - auch optisches - Zeichen gegen den schwarzen Pulk der rund 6.000 Rechtsextremen, die auf ihrem sogenannten "Trauermarsch" durch die Stadt von Hunderten Polizisten abgeschirmt wurden.

Immer wieder kam es zu kleineren Störaktionen von Gegendemonstranten, die den rechten Aufmarsch mit "Nazis raus"-Rufen begleiteten. Zusammenstöße mit der linken Szene, die rund 3.500 Anhänger mobilisiert hatte, konnte die Polizei bis zum frühen Abend verhindern.

Polit-Prominenz
Nicht nur viele Dresdner Bürger zeigten an diesem Samstag Flagge gegen Rechts. Auch die politische Prominenz war - anders als in den Vorjahren - diesmal außergewöhnlich stark präsent. Vor allem SPD, Grüne und Linkspartei hatten den "Gehdenken"-Aufruf maßgeblich unterstützt.

So warnte SPD-Chef Franz Müntefering auf der Abschlusskundgebung vor der Semperoper eindringlich, die "braune Soße" dürfe in Deutschland "nie wieder eine Chance haben". DGB-Chef Michael Sommer forderte eine "breite Front gegen die braune Brut". Grünen-Chefin Claudia Roth warf den Rechtsextremen vor, sie versuchten mit ihren Parolen vom "Bombenholocaust" die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren. Von Dresden müsse ein "ganz lautes Signal" in alle Welt ausgehen: "Wir geben die Straßen und Plätze nicht frei für Rechtsextremisten", rief Roth in die Menge.

Doch nicht bei allen Dresdnern stießen die zahlreichen Demonstrationen und Kundgebungen auf ungeteilte Zustimmung. Sie gedachten lieber in Gottesdiensten, mit Kerzen oder mit einer weißen Rose an der Jacke als stummes Zeichen der Trauer der Opfer des Feuersturms, der ihre Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte.

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