13. Oktober 2009 19:40
Wissenschafter haben möglicherweise ein bisher unbekanntes Gemälde von Leonardo
da Vinci gefunden. Auf dem Porträt einer Frau haben Experten einen
Fingerabdruck entdeckt, der große Ähnlichkeit mit einem auf einem Werk da
Vincis im Vatikan haben soll, wie die britische Fachzeitschrift "Antiques
Trade Gazette" berichtete. Der Fingerabdruck am oberen linken Rand des
Gemäldes kam bei einer Untersuchung in einem Pariser Speziallabor ans Licht.
Das Labor hatte insgesamt 18 Monate an dem Bild geforscht.
Spätes 15. Jahrhundert
Das 33 mal 24 Zentimeter große Bild
zeigt den Kopf einer Frau im Profil. Der Künstler hatte es unter anderem mit
Kreide auf Pergament gebracht. Kleider und Frisur der gemalten Frau sind der
Mailänder Mode des späten 15. Jahrhunderts ähnlich. Bei einer Untersuchung
zur Entstehungszeit habe ein Schweizer Institut einen Zeitraum zwischen 1440
und 1650 angegeben. Leonardo da Vinci hatte von 1452 bis 1519 gelebt. Zu
seinen berühmtesten Werken zählen die Mona Lisa oder Das letzte Abendmahl.
Das Bild hatte bei einer Versteigerung in New York im Jahr 1998 für 19.000
Dollar den Besitzer gewechselt. Bei der Auktion wurde es als ein Werk aus
dem 19. Jahrhundert angepriesen. Sollte es sich um einen Leonardo handeln,
wäre das Bild der "Antiques Trade Gazette" zufolge rund 100 Millionen Euro
wert. Seit 2007 befindet es sich im Besitz des Kunstsammlers Peter Silverman.
Hohe Übereinstimmung
Der kanadische Kunstexperte Peter Paul
Biro habe die Multispektral-Bilder des Pariser Labors untersucht. Nach
seiner Expertise hat der Abdruck eine hohe Übereinstimmung mit dem Abdruck
eines Zeige- oder Mittelfingers auf Leonardos Bild St. Jerome im Vatikan.
Nach Angaben Biros handelt es sich bei St. Jerome um ein frühes Werk
Leonardos aus einer Zeit, wo er noch keine Assistenten beschäftigt hatte.
Infrarot-Aufnahmen zeigten zudem eine hohe Ähnlichkeit mit einem
Frauen-Porträt da Vincis, das in Schloss Windsor hängt.
Die Laborergebnisse stützen die These des Da-Vinci-Experten Martin Kemp, wie
das Magazin weiter schreibt. Der ehemalige Professor für Kunstgeschichte an
der Universität Oxford habe seine Erkenntnisse über das Bild in einem Buch
zusammengetragen, das allerdings noch nicht veröffentlicht ist. Nach seinen
Erkenntnissen könnte es sich bei der porträtierten Frau um Bianca Sforza
handeln, die Tochter eines Herzogs von Mailand.