Neun Tote bei Massaker in Kolumbien

Massenflucht

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Neun Tote bei Massaker in Kolumbien

Bei der größten Massenflucht von Zivilisten aus Kolumbien nach Ecuador seit Jahren sind bis Montag mehr als 1600 Frauen und Kinder in der Stadt San Lorenzo eingetroffen. Als Grund für ihre Flucht aus der Provinz Nariño hätten die Menschen angegeben, in ihrer Heimat rund um die kolumbianische Hafenstadt Tumaco am Pazifik habe die Rodung illegaler Kokasträucher begonnen. Dabei sei es zu schweren Gefechten zwischen den kolumbianischen Streitkräften und linken Rebellen gekommen, berichteten nationale Medien.

Neun Tote
Die kolumbianischen Soldaten seien zudem ebenso wie die Rebellen, die rechten Paramilitärs und die Drogenmafia in der Region für Übergriffe auf die Zivilbevölkerung berüchtigt. In der Nariño benachbarten Provinz Putumayo erschossen Unbekannte am Sonntag fünf Erwachsene und vier Kinder.

Männer zu Arbeitseinsätzen gezwungen
Flüchtlinge in Ecuador berichteten, die Rebellen hätten nur Frauen, Kindern und Alten die Flucht erlaubt. Die Männer seien zu Arbeitseinsätzen zurückgehalten worden. Der Büroleiter des Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Nariño, Luis Sztorch, betonte, den Menschen in den Kokaregionen Kolumbiens werde durch die Vernichtung ihrer Felder meist auch die einzige Einnahmequelle genommen. "Leider wird den Bauern nach der Rodung ihrer Felder keine Alternative geboten. Dann haben sie einfach nichts mehr zu essen und ergreifen die Flucht", sagte er der Zeitung "El Tiempo". Ecuador forderte Kolumbien inzwischen auf, die baldige Rückkehr der Flüchtlinge zu ermöglichen.

Die verarmte Provinz Nariño im Südwesten Kolumbiens ist in den vergangenen Jahren zunehmend zum Brennpunkt des seit Jahrzehnten andauernden bürgerkriegsartigen Konflikts geworden. Kokain wird von dort aus über die Pazifikküste in alle Welt geschmuggelt und umgekehrt kommen Waffen und Munition über See ins Land. Das bergige Terrain erschwert die Bekämpfung der Drogenproduktion und illegaler bewaffneter Gruppen, die um die Kontrolle des Kokaschmuggels streiten. Teile der Streitkräfte und der Polizei machen zudem nach Angaben von Entwicklungshelfern mit Drogenkartellen gemeinsame Sache.

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