ÖSTERREICH Report aus dem Krisengebiet

Erdbebengebiet

© Reuters/ ÖSTERREICH

ÖSTERREICH Report aus dem Krisengebiet

Überall nur Schutt und Zerstörung. Es sind Bilder wie aus dem Krieg, die sich beim Anflug auf die Hauptstadt Port-au-Prince bieten: Überall steigen Rauchsäulen auf, zwei Drittel der Gebäude liegen völlig in Trümmern. Nach der Landung zeigt sich: Die Verwüstung ist unvorstellbar. Zigtausende Menschen liegen hier unter den Trümmern begraben, die Szenen auf den Straßen sind apokalyptisch.

Menschen graben mit bloßen Händen im Schutt
Eine Fahrt durch die Stadt offenbart das ganze Ausmaß des Grauens: Vierstöckige Gebäude sind zusammengeklappt wie Kartenhäuser. Immer noch liegen Leichen auf den Straßen. Eine ist bedeckt mit einem weißen Tuch, Fliegen sitzen auf dem verwesenden Körper einer Frau.

Die meisten Haitianer versuchen jetzt ohne fremde Hilfe zu überleben. Denn während der 45 Minuten langen Fahrt durch das Katastrophengebiet ist kein Polizist, kein Regierungshelfer zu sehen. Auch die eintreffenden internationalen Hilfstrupps verlieren sich rasch im Chaos. „Wir haben nichts, keine Armee, keine Rettungsteams – wir sind völlig auf uns alleine gestellt“, erzählt Noel Myford (24) verzweifelt. Mit bloßen Händen versuchen die Menschen jetzt Verschüttete aus den Trümmern zu bergen. Meist vergebens.

Pasqualle Theid ist nur knapp mit dem Leben davongekommen. „Ich war gerade im Supermarkt einkaufen, als das Gebäude eingestürzt ist. Ich war mit meinen beiden Kindern zwei Stunden lang in den Trümmern gefangen, bis wir gerettet wurden. Aber wir haben es geschafft“, erzählt die 34-Jährige im Gespräch mit ÖSTERREICH.

Andere haben es nicht geschafft, die Regierung rechnet mit Hunderttausend Todesopfern. Auch eine 61-jährige Österreicherin befindet sich unter den Toten (siehe rechts).

Gespenstisch sind die Szenen vor allem nachts. Tausende Obdachlose wissen nicht, wo sie schlafen sollen. Es gibt nur wenige Zelte, traumatisierte und teils völlig verwirrte Opfer des Bebens taumeln durch die Dunkelheit.

Und immer noch herrscht Panik vor Nachbeben. In der Nacht auf Donnerstag rannten plötzlich Hunderte Menschen wie von Sinnen um ihr Leben – das Gerücht eines riesigen Tsunamis hatte die Runde gemacht. Tania Brand (28) erzählt: „Ich stand mit meinem Baby im Arm am Balkon, als das Beben kam. Sie krallte sich an mir fest. Am schlimmsten ist diese schreckliche Angst vor Nachbeben und dass wir kein Trinkwasser haben.“

Flughafen-Tower zerstört, Hilfe kommt nur langsam
Nur langsam treffen jetzt die Helfer aus aller Welt auf der Karibikinsel ein, um eine weitere Katastrophe durch Mangel an Trinkwasser und Medikamenten zu verhindern. Bereits jetzt wird das Wasser knapp, gekocht wird in rostigen Woks. Trotz der Not gerät die Hilfe immer wieder ins Stocken. Der Flughafen von Port-au-Prince ist mit großen Transportmaschinen derzeit nicht erreichbar – der Tower ist beim Beben eingebrochen. Nur kleine Maschinen können jetzt überhaupt noch landen.

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