Papst freut sich auf Seligsprechung

Johannes Paul II.

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Papst freut sich auf Seligsprechung

Papst Benedikt XVI. blickt der Seligsprechung seines verstorbenen Vorgängers Johannes Paul II. am 1. Mai bereits erwartungsvoll entgegen. Jeder, der Johannes Paul kannte und verehrte, teile seine Freude, sagte das katholische Kirchenoberhaupt beim traditionellen Sonntagssegen auf dem Petersplatz. In Wien zeigte sich Kardinal Christoph Schönborn laut Kathpress ebenfalls voller Vorfreude. Kritische Töne kamen von der Plattform "Wir sind Kirche".

Papst: "Mit der Kirche frohlocken"
"Alle, die ihn geschätzt und bewundert haben, können bei diesem Ereignis mit der Kirche frohlocken", sagte Papst Benedikt XVI. am Sonntag vor Touristen und Pilgern. Die italienischen Behörden rechnen zur Seligsprechung mit einem Massenansturm von Pilgern nach Rom. Die Schätzung liegen derzeit bei etwa zwei Millionen Pilgern. Am 1. Mai werden sich auch noch viele Oster-Touristen in der Ewigen Stadt aufhalten.

Keine Eintrittskarten
Da der Petersplatz und die Straße dorthin "nur" einige Hunderttausend Menschen fassen können, werden vermutlich große Videoleinwände in den umliegenden Straßen aufgestellt, damit die Gläubigen die von Papst Benedikt XVI. zelebrierte Seligsprechung verfolgen können. Eintrittskarten sollen nicht verteilt werden. Den letzten großen Massenansturm von Pilgern in Rom gab es 2005 nach dem Tod von Johannes Paul II. Damals zog es rund drei Millionen Gläubige ins Zentrum der katholischen Christenheit.

Vor allem aus der polnischem Heimat von Johannes Paul II. werden zahlreiche Pilger erwartet. Der verstorbene Papst sei ihr "Führer im Glauben und der Freiheit" gewesen, hieß es in der Ankündigung der Seligsprechung am vergangenen Freitag. Dem ersten polnischen Papst wird zugeschrieben, Ende der 80er Jahre wesentlich zum Fall des Kommunismus in Osteuropa beigetragen zu haben. Johannes Paul II. hatte sich immer wieder für die polnische Freiheitsbewegung Solidarnosc eingesetzt.

Kardinal Schönborn "tief beeindruckt"
Für Kardinal Schönborn war der "tiefste persönliche Eindruck", den Papst als "betenden Menschen" erleben zu dürfen. Der Wiener Erzbischof war Johannes Paul II. zum ersten Mal im Oktober 1981 begegnet und von "seiner intensive Gottverbundenheit" beeindruckt. "Wenn er betete, tauchte er gleichsam in die Wirklichkeit Gottes ein", sagte Schönborn. Kardinal Schönborn gab weiters seiner Hoffnung Ausdruck, persönlich an der Seligsprechungsfeier am 1. Mai teilnehmen zu können.

Umfassende Untersuchung
Der Ruf "Santo subito" sei gleich nach dem Tod des früheren Papstes ertönt, aber es sei dann eine "normale umfangreiche Untersuchung" durchgeführt worden, erinnerte Schönborn. Dass diese Untersuchung relativ rasch abgeschlossen werden konnte, hänge damit zusammen, dass es "sehr viele starke positive Zeugnisse gab". Mitentscheidend sei die "Stimme des gläubigen Volkes" gewesen sowie der "Ruf der Heiligkeit", der Johannes Paul II. seit langem umgeben habe.

Eine Seligsprechung bedeute im übrigen nicht die "Seligsprechung" aller Handlungen des Betreffenden, so Schönborn weiter: "Auch ein Heiliger macht Fehler, auch ein Heiliger geht beichten". Johannes Paul II. habe sich etwa in der Einschätzung des Gründers der "Legionäre Christ", Marcial Maciel Degollado, getäuscht, aber damit sei er nicht allein gewesen.

Trotzdem habe der damalige Papst die Einleitung einer Untersuchung der vatikanischen Glaubenskongregation gegen den Gründer nicht behindert. Diese Untersuchung habe dann unter Benedikt XVI. zur Verurteilung Marciel Degollados geführt.

"Wir sind Kirche" ortet Widersprüche
Wegen der Haltung von Johannes Paul II. zu den "Legionären Christi" hält die Plattform "Wir sind Kirche" die Seligsprechung für problematisch. Deren Grüner werde jahrzehntelanger schwerer Missbrauch gegen Kinder, Jugendliche und Frauen vorgeworfen, über die der Vatikan und auch Papst Johannes Paul II. seit 1983 informiert gewesen sein sollen.

Zudem habe er auch die konservative Wende nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu verantworten. "In seinem Pontifikat wurde in Österreich ab 1985 durch entsprechende Bischofsernennungen die konservative Kurskorrektur nach dem weltoffenen Kardinal König eingeleitet, deren katastrophale Auswirkungen wir gerade mit den Kirchenaustritten 2010 ernten mussten."

Nach Auffassung von "Wir sind Kirche" war Johannes Paul II. daher ein Papst "vieler großer Gesten, aber auch vieler falscher Entscheidungen", wie in einer Aussendung betont wurde. "Seine Tragik liegt in der großen Diskrepanz zwischen seinem Einsatz für Reformen und Dialog in der Welt und dem unter seiner Verantwortung vollzogenen innerkirchlichen Rückfall in zentralistische Strukturen."

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