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Papst spricht vor UN-Vollversammlung über Frieden

US-Besuch

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Papst spricht vor UN-Vollversammlung über Frieden

"Das Einstehen für Menschenrechte ist nach wie vor der beste Weg, um Ungleichheiten zwischen Ländern und gesellschaftlichen Gruppen abzubauen und für mehr Sicherheit zu sorgen", sagte er am Freitag vor der UN-Generalversammlung. Eindringlich mahnte er zu Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Solidarität mit der Dritten Welt, äußerte sich allerdings nicht direkt zu konkreten Konflikten wie etwa den Irakkrieg oder Nahost. Anlass der Rede war der 60. Jahrestag der Verkündung der Charta der Menschenrechte.

Nachdrücklich betonte Benedikt XVI. die Verankerung der Menschenrechte im Naturrecht und in der Würde der Person als Geschöpf Gottes. "Die Menschenrechte aus diesem Kontext zu lösen, hieße ihre Reichweite beschränken und einer relativistischen Konzeption nachzugeben, nach der die Bedeutung und Interpretation von Rechten schwanken und ihre Universalität im Namen unterschiedlicher kultureller, politischer, sozialer und sogar religiöser Anschauungen geleugnet werden könnte", so der Papst laut Kathpress. Die Rede vor der UNO galt als politischer Höhepunkt der sechstägigen USA-Reise des katholischen Kirchenoberhauptes.

Einmischung gefordert
Eindringlich trat Benedikt auch für das Recht auf Einmischung der internationalen Gemeinschaft bei Konflikten ein. "Jeder Staat hat die vorrangige Pflicht, seine eigene Bevölkerung zu schützen", sagte der Papst. Doch "wenn Länder nicht in der Lage sind, diesen Schutz zu gewährleisten, muss die internationale Gemeinschaft mit den in der Charta der Vereinten Nationen vorgesehenen Rechtsmitteln und mit anderen internationalen Instrumenten eingreifen". "Indifferenz und Nicht-Handeln ist das, was wirklich Schaden anrichtet", unterstrich der Papst. Einen Alleingang von einzelnen Staaten verurteilte er jedoch und warnte - in einem mutmaßlichen Seitenhieb gegen den US-Einmarsch in den Irak - davor, das gemeinsame Vorgehen der Nationen durch unilaterale Beschlüsse zu gefährden. Im Sinne der Konfliktprävention betonte der Papst, dass alle diplomatischen Mittel und "selbst die geringfügigsten Zeichen" von Dialogbereitschaft genützt werden müssten.

Dritter Papst vor UNO
Papst Benedikt XVI. hielt seine Reden teilweise auf Französisch, der traditionellen Diplomatensprache, und auf Englisch. Nach Paul VI. (1965) und seinem Vorgänger Johannes Paul II. (1979 und 1995) sprach er als dritter Papst vor der Staatengemeinschaft. Der Heilige Stuhl, wie der Vatikan völkerrechtlich heißt, ist auf eigenen Wunsch hin kein UN-Mitglied, hat aber seit 1964 permanenten Beobachterstatus. Nach einer vertraulichen Unterredung mit dem Papst beschwor UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die Gemeinsamkeiten zwischen der Kirche und der Weltorganisation: "Eure Heiligkeit, unsere Mission vereint uns auf so viele Arten mit Ihrer." Gemeinsame Ziele seien der Kampf gegen Armut, der Einsatz für Frieden und Freiheit und das Engagement für einen offenen Dialog zwischen den Religionen und Kulturen. Am Freitagnachmittag (Ortszeit) sollte Benedikt noch eine Synagoge besuchen und einen ökumenischen Gottesdienst halten.

Ausdrücklich wandte sich der Papst auch den Themen Unterentwicklung in der Dritten Welt, Umwelt- und Klimaschutz zu. Diese Herausforderungen verlangten gemeinsames Handeln der Internationalen Gemeinschaft und "Solidarität mit den schwächsten Regionen der Welt". Im Hinblick auf Gentechnologie am Menschen und Stammzellenforschung warnte Benedikt XVI. vor einer "Verletzung der Schöpfungsordnung". Moderne Forschung und Technologie dürften nicht im Gegensatz zum "heiligen Charakter des Lebens" stehen.

Geste der Versöhnung
In einer unerwarteten und unerwartet deutlichen Geste der Versöhnung hatte Benedikt bereits am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington eine Gruppe von Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische US-Priester empfangen. "Sie haben gemeinsam mit dem Heiligen Vater gebetet, und anschließend hat er ihnen zugehört und ihnen Worte der Ermutigung und der Hoffnung gespendet", teilte der Vatikan in einer Erklärung mit, die erst erst nach dem Ende des Treffens in der Kapelle der Vertretung des Vatikans in Washington herausgegeben worden war. Es war mutmaßlich das erste Mal, dass ein Papst Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester empfing.

Der Missbrauchs-Skandal, der die US-Kirche seit Jahren erschüttert, hat den Papstbesuch in den USA über weite Strecken beherrscht und überschattet. Dreimal nahm der Papst öffentlich Stellung dazu; er sei "tief beschämt", sagte er und kritisierte die US-Kirche, die viele dieser Fälle über Jahre vertuscht hatte. Kirchlichen Angaben zufolge waren in rund 50 Jahren mehr als 10.000 Kinder betroffen und knapp 4.400 Priester an den Missbrauchsfällen beteiligt.

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