Polizei sucht nach Bluttat 2 Männer - Mafiafehde?

Duisburg

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Polizei sucht nach Bluttat 2 Männer - Mafiafehde?

Nach der Bluttat in Duisburg, bei der sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren getötet wurden, setzt die deutsche Polizei ihre Ermittlungen mit Hochdruck fort. Zwei Ermittler aus Kalabrien trafen mittlerweile in Duisburg ein, um die deutschen Behörden zu unterstützen, wie Polizeisprecher Reinhard Pape am Donnerstag sagte. Eine Verbindung zur Mafia sei aber nur eine Möglichkeit, die geprüft werde. Nach einen Bericht der Nachrichtenagentur ANSA gehen die italienischen Ermittler dem Verdacht nach, dass der getötete Marco M. Ziel des Anschlags gewesen sei.

Mord an Weihnachten 2006 als Auslöser?
Marco M. werde verdächtigt, am ersten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres die Frau eines der Führer des rivalisierenden Clans getötet zu haben, hieß es. Nach italienischen Medienberichten wurde in der kalabresischen Stadt San Luca, der Heimat der verfeindeten Familien Nirta-Strangio und Pelle-Romeo, zusätzliche Polizeikräfte stationiert, um Vergeltungsaktionen zu verhindern.

Die Polizei wollte zudem Aufnahmen von Überwachungskameras in der Nähe des Tatorts auswerten. Polizeisprecher Pape erhofft sich davon aber nicht allzu viel. "Bisher ist die Qualität der Bilder schlecht. Wir versuchen, aus dem Schlechten etwas Gutes zu machen."

Ermittlungen in alle Richtungen
Der Leiter der Mordkommission, Heinz Sprenger, wollte einen Mafia-Mord zunächst nicht konkret bestätigen. "Wir ermitteln in alle Richtungen." Auch eine Beziehungstat könne nicht ausgeschlossen werden. "Ich warne vor voreiligen Schlüssen", sagte Sprenger. Zudem bestehe Kontakt zu der italienischen Polizei. Auch auf Gerüchte über Geldwäsche in dem italienischen Restaurant, vor dem die Bluttat stattfand, ging Sprenger nicht näher ein.

In dem Restaurant fand vor dem Mordanschlag eine Geburtstagsfeier für eines der späteren Opfer statt. Bei mindestens zwei der Opfer handelt es sich den Angaben der Ermittler zufolge um Brüder im Alter von 19 und 21 Jahren. Der Leiter der Mordkommission Heinz Sprenger berichtete, alle sechs Opfer hätten in dem unmittelbar neben dem Tatort liegenden Restaurant "Da Bruno" gearbeitet. Offenbar hätten ihnen die Täter nach dem Verlassen des Lokals aufgelauert und gewartet, bis sie in ihre beiden Autos mit Duisburger bzw. Pforzheimer Kennzeichen eingestiegen seien. Die Opfer seien dann regelrecht niedergemäht worden. "Es ist wahllos in die im Wagen sitzenden Menschen hineingeschossen worden. Die Opfer weisen eine Vielzahl von Schussverletzungen auf," sagte Sprenger.

Auseinandersetzung zweier Mafia-Clans?
Bei der Bluttat in Duisburg mit sechs Toten handelt es sich laut italienischen Medienberichten um eine Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Clans des kalabrischen Mafia-Syndikats 'Ndrangheta. "Es ist eine beispiellose Abrechnung, auch deshalb, weil sie erstmals im Ausland stattfand", zitierte die Nachrichtenagentur ANSA am Mittwoch den stellvertretenden Leiter der Polizei von Regio Calabria, Luigi De Sena.

"Die Präsenz von Kalabrern in Deutschland ist sehr stark, aber bislang haben sie sich immer zurückgehalten und versucht, nicht aufzufallen." Die italienischen Behörden haben erklärt, dass die 'Ndrangheta in Italien dabei sei, mächtiger als die sizilianische Mafia zu werden.

Polizei ermittelt in Richtung Mafia
Die Polizei vermutet das organisierte Verbrechen hinter der Bluttat von Duisburg, wo in der Nacht auf Mittwoch sechs Männer durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet worden waren. Auf die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen der Tat und der aus dem süditalienischen Kalabrien stammenden 'Ndrangheta bestehe, sagte ein Polizei-Sprecher: "Wir untersuchen in diese Richtung, können das aber zur Zeit noch nicht bestätigen."

Die 'Ndrangheta setzt sich aus Mafia-Clans aus Kalabrien zusammen. Polizeikreisen zufolge ist sie mittlerweile mächtiger als die sizilianische Cosa Nostra. Aufsehenerregende Morde im Ausland seien innerhalb der Organisation sehr ungewöhnlich, hieß es.

Opfer waren unbewaffnet
Die sechs Opfer des brutalen Verbrechens von Duisburg waren nach Angaben der Polizei unbewaffnet. Sie hätten keine Schusswaffen bei sich gehabt. Sie sollen in ihren Wagen von der Seite oder von hinten erschossen worden sein. Drei der Italiener kämen aus Duisburg und Mülheim, sagte Polizeisprecher Reinhard Pape am Mittwoch. Der Hintergrund der Tat ist weiter unklar. Derzeit würden die Familien der Opfer vernommen.

Möglicherweise hatten sich die Opfer vor der Tat in einem italienischen Restaurant aufgehalten. In der Nähe des Tatorts wurden zwei Männer gesehen. Ob diese Unbekannten etwas mit den Schüssen zu tun hatten, ist noch ungeklärt.

Opfer zwischen 16 und 39 Jahren
Bei einem der blutigsten Verbrechen der vergangenen Jahre sind in der Nacht auf Mittwoch in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs sechs Männer erschossen worden. Bei den Opfern handele es sich um Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren, sagte Polizeisprecher Hermann-Josef Helmich. Die Polizei entdeckte die mit Kopfschüssen getöteten Männer in zwei Autos, die nur 100 Meter vom Hauptbahnhof entfernt zwischen zwei Bürogebäuden und vor einem italienischen Restaurant zusammengestoßen waren.

Der Hintergrund der Tat war zunächst völlig unklar. "Es muss sich um mehr als einen Täter gehandelt haben", sagte Polizeisprecher Reinhard Pape. "Es ist oft geschossen worden." Die Opfer selbst waren ersten Angaben zufolge unbewaffnet.

Passantin ruft die Polizei
Gegen 2.30 Uhr zerreißen Schüsse die nächtliche Stille rund um den Duisburger Hauptbahnhof. Eine Frau, die sich zufällig in der Nähe aufhält, hört die Schüsse. Sie reagiert sofort und hält einen gerade vorbeikommenden Streifenwagen an. Die Beamten eilen zum Ort des Geschehens in die Mülheimer Straße.

Alles Kopfschüsse
Dort, rund 100 Meter vom Bahnhof entfernt bei einem großen Verwaltungsgebäude, bietet sich ihnen ein grausiges Bild. Sechs Männer liegen blutüberströmt und regungslos in zwei Autos und auf der Straße. Auf den ersten Blick haben sie alle Schussverletzungen am Kopf. Fünf der Opfer sind schon tot. Auch der sechste Mann hat keine Chance: Er stirbt noch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Fahrzeuge kollidierten miteinander
Bei dem einen Fahrzeug handelte es sich den Angaben zufolge um einen dunklen VW Golf mit Pforzheimer Kennzeichen, in dem vier der Opfer gefunden wurden. Zwei weitere Opfer saßen in einem weißen Kleinlieferwagen aus Duisburg. Beide Fahrzeuge waren in dem engen Durchlass zwischen dem Klöckner-Hochhause und anderen Bürogebäude miteinander kollidiert - ob vor oder im Verlauf der Ereignisse, stand zunächst nicht fest. Zwei weitere bisher unbekannte Männer seien in der Nähe des Tatorts gesehen worden, berichtete die Polizei.

Suche nach Zeugen
Ein Großeinsatz der Polizei beginnt. Spurensicherer machen sich auf den Weg zum Tatort im Stadtteil Neudorf. Die zweispurige Fahrbahn und die nähere Umgebung werden abgesperrt. Scheinwerfer tauchen die grausige Szenerie in ein künstlich kaltes Licht. Die Ermittler stellen schließlich weiße Zelte in einer Größe von fünf mal vier Metern am Fundort auf. Unter den Zelten verschwinden auch die Autos, in denen die Leichen liegen. Hinter dem Sichtschutz läuft die akribische Spurensicherung. "Und wir suchen natürlich nach Zeugen", sagt Polizeisprecher Reinhard Pape.

Doch sind die Aussichten auf weitere Zeugenaussagen wohl eher gering. Denn die Tat verlief offenbar erstaunlich ruhig. Die Augenzeugin hatte der Polizei berichtet, sie habe eine Knall gehört und danach ein Geräusch wie von vielen kleinen Silvesterknallern. An Schüsse habe sie gar nicht gedacht.

Rätsel um Opfer
Doch auch am frühen Morgen kann die Polizei noch nicht mit der Identität der Männer dienen. Zu den Hintergründen der Bluttat ist ebenfalls noch nichts bekannt. "Wir wissen noch nichts", sagt Pape. Lediglich die Nummernschilder der beiden Autos, in denen die Männer gefunden wurden, sind ein Anhaltspunkt. Einer der Wagen - ein VW Golf - ist in Pforzheim zugelassen. Das andere Auto, laut Pape ein Kleintransporter, trug ein Duisburger Nummernschild.

"Da war es noch ruhig"
Im Morgengrauen fahren zwei Leichenwagen vor, um die Toten abzutransportieren. Mit mehreren Polizeiwagen wird der Sichtschutz noch verstärkt. Zudem verhüllen Feuerwehrleute mit Decken den Blick auf den Tatort. Zwischen den Decken hindurch ist zu sehen, wie blaue Leichensäcke in die Autos gelegt werden. Eine Duisburgerin, die kurz vor den Schüssen am Tatort vorbeikam, starrt noch immer fassungslos auf die Arbeiten der Ermittler. "Kurz davor war hier alles noch total ruhig", sagt sie.

Obduktion der Opfer nich am Mittwoch
Die sechs Opfer der Bluttat sollen noch am Mittwoch obduziert werden. Dabei soll auch geklärt werden, in welcher Reihenfolge die tödlichen Schüsse fielen. Außerdem sollten Angehörige der Opfer befragt werden, zu deren Identität die Polizei aber zunächst keine Angaben machte. Mit Blick auf die Hintergründe der Tat werde in alle Richtungen ermittelt. "Das hat keine Allerweltsdimension", sagte Polizeisprecher Hermann-Josef Helmich.

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