Proteste und Straßenschlachten in Libyen

Schwere Unruhen

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Proteste und Straßenschlachten in Libyen

Nach schweren Zusammenstößen zwischen Gegnern des Regimes von Machthaber Muammar al-Gaddafi und Sicherheitskräften hat in der libyschen Stadt Bengasi (Benghazi) am Freitag ein massives Polizeiaufgebot für Ruhe gesorgt. In der Nacht hatten in der zweitgrößten Stadt des nordafrikanischen Landes mehrere tausend Regimegegner gegen die Tötung von über zwanzig Demonstranten durch Sicherheitskräfte bei früheren Kundgebungen demonstriert. Gaddafi selbst zeigte sich am Freitag kurz vor Anhängern auf einem Platz in der Hauptstadt Tripolis, gab aber keine Stellungnahme ab.

Bis zu 50 Tote
Am Freitag sollten die getöteten Demonstranten beigesetzt werden. Bei früheren Anlässen verwandelten sich die Trauerfeierlichkeiten in Proteste gegen das Regime. In Oppositionskreisen war unterdessen von 45 Todesopfern die Rede, nach Berichten in sozialen Netzwerken sollen rund 50 Menschen getötet worden sein. Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wurden seit Beginn der Demonstrationen mindestens 24 Demonstranten von Sicherheitskräften getötet worden.

Regimegegner übernehmen Stadt
Demonstranten haben nach Darstellung von zwei Exilgruppen die Kontrolle der Stadt Al-Baida im Osten des Landes übernommen. Einige Polizisten hätten sich auf die Seite der Protestierenden geschlagen, teilten zwei Gruppen am Freitag mit. "Al-Baida ist in der Hand des Volkes", sagte ein Sprecher der Gruppe "Libysche Menschenrechtssolidarität" der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gruppe "Libysches Komitee für Wahrheit und Gerechtigkeit" bestätigte die Darstellung. Beide Gruppen beriefen sich auf telefonische Kontakte in die 250.000 Einwohner zählende Stadt.

Schüsse in Bengasi
In Bengasi im östlichen Landesteil Cyrenaika ist der Widerstand gegen Gaddafi besonders stark. Die Region fühlt sich vom Regime vernachlässigt, da ein Großteil der Erlöse aus dem Verkauf der reichen Erdölvorkommen in den Westen des Landes fließt. Ein Bewohner Bengasis berichtete, die Auseinandersetzungen in der Nacht seien sehr schwer gewesen: "Ich hörte Schüsse. Ich sah eine Person niederstürzen." Einen Überblick über die Opferzahlen habe er aber nicht. Das Ausmaß der Proteste in Libyen ist schwer abzuschätzen, da die Medien einer strengen staatlichen Zensur unterliegen.

Gaddafi ist seit mehr als 40 Jahren an der Macht. Viele Libyer beklagen Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit und begrenzte politische Freiheiten. Gleichwohl halten Beobachter einen Volksaufstand wie im Nachbarland Ägypten für unwahrscheinlich. Denn die libysche Führung kann den Öl- und damit auch den Geldhahn aufdrehen und die meisten sozialen Probleme mildern. Der katholische Bischof von Tripolis, Giovanni Innocenzo Martinelli, sieht laut Kathpress keine Gefahr für die christliche Minderheit. Weder habe es Kundgebungen gegen Christen noch im Umfeld von kirchlichen  Einrichtungen gegeben, sagte Martinelli am Donnerstagabend. Er rechne damit, dass sich die Lage in wenigen Tagen beruhige, nachdem die Regierung mit Preisminderungen für Grundnahrungsmittel ein Entgegenkommen für die ärmeren Bevölkerungsschichten gezeigt habe.
 

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