16. Jänner 2009 13:50
Der wohl aufsehenerregendste Prozess des Jahres beginnt am Freitag in
Italien. Amanda Knox, amerikanische Austauschstudentin, muss sich wegen
Mordes an ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher vor Gericht verantworten.
Amanda soll gemeinsam mit zwei Komplizen das Opfer zu Sexspielen gezwungen
und sie danach getötet haben.
Mörderin mit Engelsgesicht
Der Fall fasziniert ganz
Italien. Die Mörderin mit dem Engelsgesicht, wie einige Medien sie tauften,
hat in einem Kurs für "Kreatives Schreiben" eine Abhandlung
über die Vergewaltigung durch zwei Männer verfasst. Für Staatsanwalt
Giuliano Mignini ist das ein eindeutiges Zeichen.
Er ist der Meinung, dass Amanda und ihre Komplizen Raffaele und Rudy, der
bereits zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde, in der Tatnacht in Merediths
Zimmer eindrangen und sie zu Sexspielen zwingen wollten. Als die 22-Jährige
sich weigerte, soll Amanda ihr den Mund zugehalten, Raffaele sie
festgehalten und Rudy sie vergewaltigt haben. Danach soll Amanda dreimal auf
Meredith eingestochen haben. Dann haben die Angeklagten versucht, den Mord
als Raubmord zu tarnen, so Mignini.
Raffele/ (c) EPA
Soweit die Theorie des Staatsanwalts, aber viele zweifeln daran, dass die
schöne Amanda zu so einem brutalen Verbrechen fähig ist. Aber die
bildhübsche Tochter aus gutem Hause sorgte immer wieder für kleinere
Skandale. Sie kiffte und ließ sich mit Nazi-Maschinengewehren fotografieren.
Über 100 Fingerabdrücke
Eindeutige Beweise gibt es
dennoch nicht. Die mutmaßliche Tatwaffe, die in Raffaeles Wohnung gefunden
wurde, ist 30 Zentimeter lang. Die Obduktion ergab aber, dass Meredith mit
einem zehn Zentimeter langen Messer erstochen wurde. Die Staatsanwaltschaft
baut bei ihrer Anklage auf über 100 Fingerabdrücke und DNA-Spuren.
Der Staatsanwalt steht in dem spektakulären Prozess unter Druck. Nicht nur
wegen seiner auf Indizien basierenden Anklage. Der erzkatholische Mignini
ist laut "Stern" äußerst umstritten. Er versuchte in einigen
Prozessen die böse Kräfte Satans nachzuweisen. Zudem steht er selbst wegen
Amtsmissbrauchs vor Gericht. Jetzt arbeitet er am wohl größten und
wichtigsten Fall seiner Karriere.
Foto (c) Reuters