Rowling klagt wegen Harry-Potter-Lexikon

Prozess in New York

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Rowling klagt wegen Harry-Potter-Lexikon

Vor einem New Yorker Gericht wird in dieser Woche um die Rechte am Zauberschüler Harry Potter gestritten. Dessen Erfinderin Joanne K. Rowling klagte gegen einen kleinen Verlag aus dem US-Staat Michigan, der ein Begleitlexikon zur Reihe um die Abenteuer in Hogwarts herausgeben will. Das Lexikon basiert auf einer beliebten Website, auf der Harry-Potter-Fans aus der ganzen Welt ihr Wissen über die Zauberwelt weitergeben.

Rowling selbst Fan der Seite
Rowling sollte am Montag vor dem Bezirksgericht in Manhattan als Zeugin gegen den Verlag RDR Books aussagen. Die Autorin ist eigentlich ein Fan der Website, wie sie selbst einmal sagte. Als der Betreiber Steven Vander Ark jedoch die gesammelten Informationen als Buch zusammenfassen und für rund 25 Dollar (15,80 Euro) verkaufen wollte, schritt sie ein.

"Höherer Zweck"?
Ihr Anwalt Dan Shallman sagte am Freitag dem Richter, die Autorin "fühle sich, als wären ihre Worte gestohlen worden". Sie fühle sich derartig persönlich verletzt, dass sie eigene Vergleiche zwischen ihren sieben Büchern der Harry-Potter-Reihe und dem Lexikon angestellt habe. Sie sei bereit, über Ähnlichkeiten in Dutzenden Fällen auszusagen. Der Anwalt von RDR, David Hammer, meinte darauf, der Verlag zweifle nicht an, dass Material aus dem geplanten Lexikon Rowlings Urheberrechte verletzten. Der Richter solle jedoch entscheiden, ob es trotzdem verwendet werden könne, weil es einem höheren Zweck diene, zum Beispiel wissenschaftlichen Studien.

Negative Auswirkungen auf die Fans
In den Gerichtsdokumenten zeigte sich Rowling tief besorgt über das Buch. Sollte der Verlag Recht bekommen, würde das negative Auswirkungen auf viele wahre Fans und ihre Internet-Aktivitäten haben, erklärte sie. "Autoren wären gezwungen, ihre Kreationen drastischer zu schützen und das könnte bedeuten, wohlgesinnten Fans die Erlaubnis zu verweigern, ihre kreativen Aktionen zu verfolgen."

"Großartige Seite"
Der 50 Jahre alte Vander Ark erklärte, er sei Lehrer und Schulbibliothekar in Michigan gewesen, bevor er kürzlich nach London gezogen sei, um Schriftsteller zu werden. Er habe die Website im Jahr 2000 als ein Hobby ins Leben gerufen. Seitdem hätten sich weder Rowling noch der Verlag beklagt. Im Mai 2004 habe die Autorin das Angebot auf ihrer Website sogar selbst erwähnt. "Das ist so eine großartige Seite, dass ich mich beim Schreiben manchmal in ein Internet-Cafe schleiche, um einen Fakt zu überprüfen, statt in einen Buchladen zu gehen und eine Ausgabe von 'Harry Potter' zu kaufen (was peinlich ist)", schrieb sie damals.

1,5 Mio. Web-Aufrufe
Die Website wird nach Angaben von Vander Ark jeden Monat rund 1,5 Millionen Mal aufgerufen. Er erklärte, er habe Angebote zur Veröffentlichung eines Lexikons zunächst abgelehnt in der Annahme, es verletzte das Urheberrecht. Im vergangenen August habe sich dann aber RDR an ihn gewandt und angegeben, dies sei nicht der Fall. Um sich zu schützen, ließ sich Vander Ark jedoch eine Passage in seinen Vertrag schreiben, nach dem der Verlag für die Kosten eines möglichen Prozesses und Schadenersatzforderungen aufkommen muss.

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