Schönborn besucht Holocaust-Gedenkstätte in Israel

"Enorme Schuld"

Schönborn besucht Holocaust-Gedenkstätte in Israel

Bei einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat Kardinal Christoph Schönborn Donnerstagvormittag an die "enorme Schuld" Österreichs und auch der Kirche in diesem Land erinnert. "Wir stehen hier mit großer Betroffenheit", so Schönborn im Namen der 15 Mitglieder der Bischofskonferenz, die seit Sonntag im Hl. Land ist.

"Hitlers wahnsinnige Ideen"
"Wir sind hier als Bischöfe jenes Landes, in dem Adolf Hitler seine wahnsinnigen Ideen gelernt hat", erklärte der Wiener Erzbischof. Es stellt sich die Frage, wo Gott war, "als Frauen und Kinder, Männer und Greise, in die Todeskammern geschickt wurden". Der Mensch werde darauf nie eine überzeugende Antwort finden und in letzter Konsequenz auch die Frage an sich selber richten müssen: "Wo war der Mensch - und wo die Menschlichkeit - , als unseren Brüdern und Schwestern so furchtbares zugefügt wurde?" Die Nazi-Ära sei eine Zeit tiefster Gottesferne" gewesen. Die damalige Zeit zeige auch, "in welche Höllen eine 'Welt ohne Gott' abzustürzen vermag".

"Zu wenige haben sich den Bestialitäten widersetzt"
Die "Allee der Gerechten unter den Völkern" in Yad Vashem eröffne "inmitten eines Meeres von Versagen und Schuld ein Licht der Hoffnung. Sie sagt uns: Selbst in der Finsternis der Shoah gab es Menschen - auch Christen -, die sich der Bestialität widersetzt haben. Auch wenn in dieser Allee nicht wenige österreichische Namen verzeichnet sind - es waren zu wenig, viel zu wenig Gerechte", sagte der Kardinal wörtlich.

"Menschliche Schwäche und Feigheit"
Der Erzbischof erinnerte auch daran, dass der Besuch in Yad Vashem am Vorabend des Gedenken an die Novemberpogrome des Jahres 1938 stattfinde. In dieser Gedenkstätte in Jerusalem zeige sich das ganze Ausmaß dessen, "was bereits in jener schrecklichen Mord- und Brandnacht offenkundig geworden war und was dann - auch wegen menschlicher Schwäche, Feigheit und Angst - ins Unermessliche wachsen konnte".

"Enorme Schuld Österreichs"
Die Geschichte Österreichs und damit auch die Geschichte der katholischen Kirche in diesem Land sei in diesem Zusammenhang "ein Gemenge von enormer Schuld, aber auch von Mut und Widerstand. Der selige Franz Jägerstätter und seinesgleichen waren einsame Leuchttürme und sie blieben es auch dann noch, als die Diktatur längst zusammengebrochen war", betonte Schönborn. Der Kardinal erinnerte weiters daran, dass Christen und Juden an eine Auferstehung glauben, "dass kein Verbrechen das letzte Wort haben darf, auch nicht der Tod". So sei auch die "verbrecherische Vision", das jüdische Volk auszulöschen, nicht aufgegangen: "Das Volk Israel lebt. Wir danken, dafür Zeugen zu sein."

Kranzniederlegung
In der "Halle der Erinnerung" legten Schönborn und der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser einen Kranz nieder. Nach dem Holocaust-Denkmal besuchten die Bischöfe das Grab des früheren Jerusalemer Oberbürgermeisters Teddy Kollek auf dem Herzl-Berg, dem Jüdischen Friedhof. Kollek war gebürtiger Wiener. Am Nachmittag stand u.a. ein Besuch der Klagemauer auf dem Programm. Morgen, Freitag, werden die Bischöfe nach Bethlehem reisen.

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