Serienmörder hat angeblich Opfer nicht gesehen Serienmörder hat angeblich Opfer nicht gesehen

Kanada

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Serienmörder hat angeblich Opfer nicht gesehen

Grauenhafte Details von den vermutlich schlimmsten Serienmorden in der Geschichte Kanadas sind vor einem Gericht bei Vancouver zur Sprache gekommen. Der 57-jährige Schweinezüchter Robert Pickton soll mindestens 26, vermutlich aber bis zu 60 Frauen getötet und ihre Leichen bestialisch zerstückelt haben. Die Jury verfolgte am Mittwoch, dem dritten Prozesstag, die Aussagen des mutmaßlichen Serienmörders während seines elfstündigen Polizeiverhörs im Februar 2002. Der Angeklagte hat nach eigenen Angaben keines der Opfer je gesehen. Den zwölf Geschworenen wurde am Dienstag, dem zweiten Prozesstag in New Westminster, das elfstündige Polizeiverhör des Angeklagten vom Februar 2002 auf Video vorgespielt.

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Keine Erinnerung an Gesichter
Auf dem Video zeigten ihm Polizisten die Fotos jener 48 Frauen, die in den 1990er Jahren aus dem Rotlichtdistrikt von Vancouver verschwunden waren und die Pickton umgebracht haben könnte. Einige der Frauen seien sehr schön gewesen, sagte er, als ihm die Fotos gezeigt wurden. Auf die Frage, ob irgendeine von ihnen je auf seinem Hof gewesen sei, antwortete er: "Ich erinnere mich an keines der Gesichter". Er könne Zahlen gut behalten, aber nicht Gesichter, entschuldigte sich der Schweinezüchter. Bei ihm gingen so viele Frauen ein und aus, dass er sie sich unmöglich merken könne.

Mit 13 Schlachten gelernt
Bei dem Verhör, das sich die zwölf Geschworenen auch am Dienstag im Gerichtssaal schon angesehen hatten, erklärte Pickton, er habe als 13-Jähriger das Schlachten erlernt. Nach der schlimmsten Erfahrung seines Lebens befragt, nennt er auf dem Video die Geschichte seines Kalbes, das er selbst gekauft hatte und wie einen Hund halten wollte. Eines Tages sei er aus der Schule gekommen und habe sein Kalb geschlachtet und von der Decke hängend vorgefunden.

Die Polizei fand auf der Farm des Angeklagten unter anderem zwei abgetrennte Köpfe in einem Gefrierschrank sowie menschliche Knochen und andere Körperteile. Einige Angehörige der Opfer brachen bei der Schilderung in Tränen aus. Ein Zuhörer stürzte nach einem Bericht der "Globe and Mail" vom Dienstag weinend aus dem Gerichtssaal.

Richter James Williams warnte die Geschworenen zum Auftakt der Verhandlung, dass die grausigen Einzelheiten sie emotional schwer belasten könnten. Die Jury soll 240 Zeugenaussagen anhören und dürfte mindestens ein Jahr mit den Verbrechen beschäftigt sein. Unter den Zeugen ist laut Zeitung auch eine Prostituierte, die Pickton ihren Worten nach dabei beobachtete, wie er eines seiner Opfer "abschlachtete". Pickton zeigte beim Prozessauftakt kaum Reaktionen. Er vermied Augenkontakt mit der Jury und starrte meist auf seinen Schoß, hieß es in kanadischen Medien. Der Angeklagte sitzt durch eine Plexiglasscheibe von der Jury und den Zuschauern getrennt.

Verdächtiger brüstete sich mit 49 Morden
Pickton hat seit der Festnahme vor knapp fünf Jahren seine Unschuld beteuert. Nach Angaben des Staatsanwaltes brüstete er sich jedoch gegenüber einem Detektiv, der als angeblicher Mitgefangener in seine Zelle gesetzt worden war, mit 49 Morden. Demnach hatte er noch eine weitere Frau umbringen wollen, um die Zahl auf eine "glatte 50" zu bringen. Allerdings sei er zum Schluss "schlampig" geworden und sei deshalb von der Polizei gefasst worden, sagte Pickton dem Bericht des Staatsanwaltes zufolge seinem Zellenmitbewohner. "Ich habe mir mit meiner Nachlässigkeit das eigene Grab geschaufelt", zitierte Prevett den Schweinezüchter.

Leichen mit Häckselmaschine zerkleinert
Die Leichen soll Pickton in einer Häckselmaschine zerkleinert und den Schweinen zum Fraß vorgeworfen haben, manche hat er auch auf seiner Farm verscharrt. Wie viele es sind, weiß noch niemand genau. Beim Umgraben von mehreren Tausend Kubikmetern Erde rund um die Pickton-Farm wurden immer wieder Knochensplitter, ein Haarbüschel oder eine Fingerkuppe gefunden. Die DNA von mindestens 30 verschiedenen Frauen haben die Forensik-Experten und Pathologen bereits ermittelt.

Polizei befürchtet bis zu 60 Opfer
Bei dem Prozess nahe Vancouver geht es zunächst um sechs Morde. Pickton soll die Frauen in den 90er Jahren auf seinen Bauernhof unweit von Vancouver gelockt und dort umgebracht haben. Die meisten Opfer waren Prostituierte oder Drogenabhängige. Die Polizei glaubt, dass der Schweinezüchter bis zu 60 Frauen ermordet und Teile von ihnen an seine Tiere verfüttert haben könnte. Die Behörde hatte bei der Durchsuchung seiner Farm DNA-Spuren Dutzender vermisster Frauen gefunden.

Richter Williams appellierte an die Jury, angesichts der überwältigenden Informationen nicht ihre Objektivität zu verlieren. Die Mitglieder sollten alle Medien meiden und nur über das urteilen, was sie im Gerichtssaal hören. Sollten dem Landwirt die Taten nachgewiesen werden, würde der Fall den bisher schlimmsten Massenmord Kanadas übertreffen. In den 80er Jahren wurde Clifford Olson wegen der Ermordung von elf Kindern und Teenagern schuldig gesprochen.

Tanz auf den Gräbern ermordeter Frauen
Pickton erfüllt wie gewöhnlich nicht die Klischees eines Serienmörders: Er war bekannt als gutmütiger, humorvoller Kerl, und als harter Arbeiter, der nie einen Tropfen Alkohol anrührte. Auf seiner Schweinefarm in seinem Heimatort Port Coquitlam in der Nähe von Vancouver (Provinz British-Columbia) veranstaltete er mit seinem Bruder Dave in einem ungebauten Stall namens "Piggy's Place" rauschende Partys, zu denen auch Lokalpolitiker, Musiker und Journalisten kamen. Was keiner wusste: Sie tanzten auf Gräbern Dutzender ermordeter Frauen.

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