Sicherheits-Komponenten aus der DDR

Kesselwaggon-Unglück

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Sicherheits-Komponenten aus der DDR

Der Chef der italienischen Staatsbahnen (FS), Mauro Moretti, hat Zweifel angemeldet, dass der im toskanischen Viareggio explodierte Tankwaggon ausreichend sicher war. Dieser im Besitz der in Wien ansässigen Firma Gatx Rail Austria befindliche Kesselwagen sei 2004 zugelassen worden, einige Komponenten des Sicherheitssystems würden jedoch aus dem Jahr 1974 stammen und seien in der damaligen DDR hergestellt worden, berichtete Moretti nach Angaben italienischer Medien vom Freitag.

"Die Komponenten sind sehr alt. Es genügt nicht, einen jungen Körper zu haben, um zu behaupten, dass der Tankwaggon jung ist. Es ist wichtig, dass sämtliche Sicherheitskomponenten neu und solide sind", berichtete Moretti.

Neue Regeln für gefährliche Substanzen
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi sprach sich für neue Regeln zum Transport gefährlicher Substanzen aus. Die Bahnkatastrophe sei nicht nur durch unglückliche Umstände ausgelöst worden, meinte der Premierminister. "Wir werden tiefgründige Ermittlungen in die Wege leiten", versicherte Berlusconi.

Unzureichende Kontrolle?
Der italienische Verkehrsminister Altero Matteoli betonte, dass die Sicherheitsvorkehrungen des Kesselwagens vom formalen Standpunkt her den Standards entsprochen hätten. Der Tankwaggon sei nach Vorschrift gewartet worden. "Dies bedeutet, dass etwas bei den Kontrollen nicht funktioniert hat. Der Kesselwagen ist im März gewartet worden, ich habe aber Rost auf der Waggonachse gesehen. Wie ist es möglich, dass die Achse wenige Monate nach dieser Kontrolle in diesem Zustand ist? Wir müssen die europäischen Sicherheitsregeln beachten, doch die besten Vorschriften nutzen nicht, wenn die Kontrollen lückenhaft sind", erklärte der Minister.

Die für Viarregio zuständige Staatsanwaltschaft der Stadt Lucca hat Ermittlungen wegen des Bahnunglücks in die Wege geleitet. "Wir haben die Hypothese eines Attentats ausgeschlossen und sind der Ansicht, dass der Zustand der Waggons für das Unglück verantwortlich sein könnte", sagte der Oberstaatsanwalt von Lucca, Aldo Cicala. Bisher seien aber keine Ermittlungen gegen Einzelpersonen aufgenommen worden.

22 Menschen starben
Die Zahl der Toten hat sich inzwischen auf 22 erhöht. Am Freitagnachmittag erlag eine 40-jährige Frau im Krankenhaus von Pisa ihren schweren Brandverletzungen. Zuletzt, ebenfalls am Freitag, starben eine noch nicht identifizierte Frau im Krankenhaus der Stadt Carrara sowie ein 34-jähriger Marokkaner.

22 Personen liegen schwer verletzt in Krankenhäusern in der Gegend, wo das Unglück geschah - fünf von befanden sich weiterhin in Lebensgefahr. Zwei Personen werden nach wie vor vermisst, mehrere Todesopfer müssen noch mittels DNA-Tests identifiziert werden.

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