Streit um Koma-Patientin Eluana Englaro eskaliert

Italien

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Streit um Koma-Patientin Eluana Englaro eskaliert

Um den Fall der italienischen Koma-Patientin Eluana Englaro eskaliert der Streit zwischen der Regierung Berlusconi und dem Justizwesen. Marcello Matera, Generalstaatsanwalt des Kassationsgerichts, betonte, dass der Beschluss, mit dem das höchste Berufungsgericht Mitte November juristisch den Weg für einen Abbruch der Ernährung für die 38-jährige Frau freigemacht hatte, respektiert werden müsse.

Arbeits- und Sozialminister verbat Beendigung der künstlichen Ernährung
"Sollte sich kein Krankenhaus bereiterklären, Eluana in den Tod zu begleiten, könnte sich die Familie theoretisch an die Polizei wenden, um die Umsetzung des Kassationsbeschlusses zu verlangen", sagte der Jurist. Die Familie Englaro kämpft seit über zehn Jahren auf juristischem Weg, um die künstliche Ernährung für Eluana zu beenden. Seit November erhielt Eluanas Vater Beppino Englaro vom Kassationsgericht, der letzten Instanz im italienischen Justizwesen, die Genehmigung, die künstliche Ernährung abzubrechen. Arbeits- und Sozialministers Maurizio Sacconi schaltete sich jedoch diese Woche ein und verbat allen öffentlichen und privaten Krankenhäusern in Italien die künstliche Ernährung für Eluana abzubrechen. Eluana Englaro liegt seit einem Autounfall vor rund 17 Jahren im Koma.

"Die Gerichtsbeschlüsse müssen respektiert werden. Wir können natürlich nicht ignorieren, dass es sich hier um einen Fall handelt, der das Gewissen der Menschen zutiefst berührt. Als Richter müssen wir aber hervorheben, dass in einer Demokratie und in einem Rechtsstaat die Gerichtsbeschlüsse umgesetzt werden müssen", erklärte der Präsident des italienischen Richterverbands ANM, Luca Palamara.

Private Klinik würde Eluana aufnehmen
Das Krankenhaus "Città di Udine" in der friaulischen Stadt hat sich zur Aufnahme der Patientin bereiterklärt. Über 20 Fachärzte will das Hospital zur Verfügung stellen, um Eluana in den Tod zu begleiten. Die private Klinik hat sich mit Eluanas Vater Beppino Englaro bereits über eine medizinische Prozedur geeinigt, die den Abbruch der künstlichen Ernährung und den Tod der Koma-Patientin in 15 Tagen vorsieht. Nach dem Tod der Patientin soll eine Obduktion durchgeführt werden.

Die Leiter der Klinik scheinen entschlossen, dem Veto der Regierung zu trotzen und Eluana aufzunehmen. Gerüchten zufolge könnte Eluana Englaro noch diese Woche das Krankenhaus in ihrer Heimatstadt Lecco verlassen, in der sie sich seit dem Unfall befindet, um im Krankenwagen nach Udine gebracht zu werden.

Vatikan kämpft gegen Sterbehilfe
Der Vatikan kämpft unterdessen weiter, um Eluana am Leben zu halten. Der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Rino Fisichella, warnte vor dem qualvollen Tod, den Eluana erleiden werde. Niemand habe das Recht, einem Menschenleben ein Ende zu setzen. Er lobte Minister Sacconi für seine "mutige" Initiative. Kein italienischer Richter könne ein Krankenhaus zwingen, einen Menschen zum Tod zu verurteilen.

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