Wikileaks leckt: Assange wütend

250.000 Dokumente kopiert

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Wikileaks leckt: Assange wütend

"Aftenposten badet im größten Leck aller Zeiten", freut sich Norwegens größte Zeitung in ihrem Wochenmagazin und kann ein bisschen Schadenfreude gegenüber dem berühmtesten Enthüllungsportal der Welt nicht unterdrücken. Irgendwie haben die Osloer Blattmacher den kompletten Satz mit 250.000 Dokumenten aus US-Botschaften als weltweit erstes Medium selbstständig "an Land gezogen". Sie können jetzt daraus ohne Absprachen mit Wikileaks-Gründer Julian Assange veröffentlichen, was sie wollen.

Datensatz von Wikileaks
Wie "Aftenposten" diesen Schatz aufgetan hat, wird nicht verraten. "Wir machen aber keinen Hehl daraus, dass unser Satz ursprünglich von Wikileaks stammt", sagt Redaktionschef Harald Stanghelle. Erstes Opfer der eigenständigen Osloer Auswertung von Dokumenten wurde vergangene Woche der Bremer Satellitenbauer OHB. Dessen Spartenchef Berry Smutny konnten die Norweger mit verächtlichen Äußerungen über das EU-Satellitenprojekt "Galileo" zitieren, an dem OHB höchst erfolgreich verdient. Smutny musste gehen.

Leck im Leck
Assange sei "bei Telefonaten diplomatisch ausgedrückt fuchsteufelswild über das Leck im Leck gewesen", berichtete "Aftenposten" den eigenen Lesern. Der derzeit wegen eines schwedischen Auslieferungsbegehrens zwangsweise in der Nähe von London lebende Australier verlangte von den Norwegern, dass sie sich an dieselben Spielregen halten wie andere international führende Medien. Unter anderem dem Hamburger "Spiegel" und der "New York Times" überlässt Wikileaks die US-Dokumente nach Kooperationsabsprachen scheibchenweise zur Veröffentlichung.

Chefredakteurin Hilde Haugsgjerd wies das Ansinnen des Australiers im eigenen Blatt zurück: "Ich hab per Brief mitgeteilt, dass wir bei der Verwendung des Materials völlige Freiheit haben und unseren eigenen journalistischen Richtlinien folgen." Juristisch kann Assange nichts unternehmen, weil wohl kein Gericht der Welt Wikileaks ein "Copyright" auf die US-Botschaftsdokumente zuerkennen würde. Die Sorge vor der eigenen Verfolgung durch US-Gerichte sowie der Auslieferungsantrag aus Schweden wegen Verdachts auf Vergewaltigung lassen auch wenig Luft für neue Fronten.

"Aftenposten" hat im siebenten Stock des Osloer Post-Hochhauses, in dem auch die Redaktion arbeitet, einen eigenen Raum zur Suche nach Interessantem eingerichtet. Hier arbeiten auch Journalisten ausländischer Medien, seit vergangener Woche unter anderem ein Mitarbeiter der "Welt", der Norwegisch kann.

Der habe schon Material über den Export von Siemens-Computern aus China über Dubai in den Iran gefunden, der den USA Sorgen bereite, berichteten die Osloer Gastgeber. "Ob wir ganz große Sensationen bei Dokument Nr. 1 finden oder erst bei Nr. 250.000, weiß ja keiner", seufzt Stanghelle. Bisher habe man so zwischen 3.000 und 4.000 Mails durchgeackert.

Leser können Recherchewünsche einreichen. Vielleicht etwas überraschend möchten viele "Aftenposten"-Leser wissen, was denn über die Beschäftigung mit UFOs in all den US-Botschaftsmails so steht. Die Suche ist leicht, weil alle Dokumente auf einen Server (ohne Netzverbindung) gelegt und für Volltextsuchen eingerichtet sind. 16 Treffer habe man gehabt, erstattete die norwegische Zeitung augenzwinkernd Bericht, aber "weder eine endgültige Bestätigung noch das Gegenteil zu diesem ewigen Mysterium". Und zitierte aus einer Depesche der US-Botschaft im weißrussischen Minsk, wonach sich der dortige Geheimdienst seit dem Zerfall der Sowjetunion deutlich weniger mit "UFOs, Healern und ähnlichem Zeug beschäftigt".

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