23. Jänner 2010 08:57
Das Erdbeben in Haiti hat mehr als 111.000 Menschen getötet und zählt damit
den zerstörerischsten Naturereignissen der vergangenen 100 Jahre. Wie das
UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung in New York (OCHA) unter Berufung auf
Haitis Regierung mitteilte, wurden bis zum Freitag 111.481 Leichen aus den
Trümmern geborgen. Außerdem habe die Regierung zehn Tage nach der
Katastrophe die Suche nach Überlebenden für beendet erklärt.
Suche offiziell eingestellt
Die Opferzahl ist die erste präzise
Angabe seit dem Beben mit der Stärke 7,0 am 12. Jänner. Insgesamt konnten
die Rettungskräfte bis zum 21. Jänner 132 Menschen lebend aus den zerstörten
Gebäuden bergen. Die Suche wurde offiziell am Freitagnachmittag (Ortszeit)
eingestellt.
Dank der internationalen Hilfsaktionen und der unermüdlichen Arbeit
tausender Helfer konnte das Leiden der bis zu drei Millionen Überlebenden
bis zum Samstag etwas gelindert werden. Erstmals machten am Freitag auch
wieder Geldtransfer-Firmen und Banken auf. In einigen Gegenden zieht eine
Art normaler Alltag wieder ein. Laut OCHA sind beispielsweise auch 30
Prozent der Tankstellen wieder in Betrieb. Dennoch müssen noch immer
Tausende auf der Straße schlafen oder im Freien campieren. Leid und Not sind
nach wie vor groß.
Bruni empfing 33 Kinder aus Haiti
Kurz vor Einstellung der Suche
nach Überlebenden gab es am Freitag auch Berichte, dass noch zwei weitere
Menschen wie durch ein Wunder lebend gefunden wurden. Lokale Radiosender
berichteten, eine 84-Jährige und ein 22-Jähriger seien in Port-au- Prince
aus den Trümmern eingestürzter Häuser geborgen worden. Den Mann habe ein
israelisches Rettungsteam entdeckt, hieß es.
Unterdessen empfing die französische Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy
33 Kinder aus Haiti, die von französischen Eltern adoptiert worden sind. Das
UN-Kinderhilfswerks UNICEF warnte jedoch dringend vor den zwar gut
gemeinten, aber für die Kinder äußerst zweifelhaften Auslandsadoptionen.
"Kinder in Umgebung lassen"
"Selbst legale Adoptionen
sind in aller Regel keine Hilfe", hieß es von UNICEF in New York. "Alle
Hilfsorganisationen sind sich einig, dass man die Kinder in ihrer Umgebung
lassen soll. Helft ihnen, aber tut es da, wo sie sind", sagte ein
Mitarbeiter im UN-Hauptquartier. "Es ist verständlich und ja auch gut, dass
viele den Menschen helfen wollen und gerade den Kindern. Doch wenn man sie
aus ihrem Umfeld reißt, wie hart dieses auch sein mag, hilft man ihnen
nicht."
Mit einer großen Spendengala haben Stars vor allem aus den USA mehrere
Millionen Dollar für die Opfer des Erdbebens gesammelt. Die Fernseh-Show,
die weltweit und selbst in den USA gleich auf mehreren Kanälen übertragen
wurde, kam live aus Los Angeles, New York und London. Moderiert von George
Clooney und dem aus Haiti stammende Musiker Wyclef Jean, sangen Musiker für
die Überlebenden der Naturkatastrophe. "Wer das Beben überlebt hat, ist noch
nicht gerettet", sagte Clooney. "Es gibt auf Haiti viele Gefahren, eine der
größten ist einfach nur Wasser, weil es oft nicht sauber ist."
Schauspieler wie Tom Hanks und Brad Pitt erzählten von einzelnen Schicksalen
und baten um Spenden. Zwischendurch berichtete CNN-Chefreporter Anderson
Cooper live aus Haiti. Madonna sang "Like A Prayer", der ehemalige
US-Präsident Bill Clinton, Gesandter der Vereinten Nationen für Haiti,
sagte: "Vor dem Beben dachte ich: Haiti kann es schaffen. Jetzt, ich sage es
Ihnen ehrlich, glaube ich es erst recht."