22. Jänner 2010 13:35
"Das Ausmaß der Katastrophe ist unvorstellbar, die Not vor Ort erdrückend" -
so beschrieb "Nachbar in Not"-Vorstandsvorsitzender und
Caritas-Auslandshilfe-Chef Christoph Petrik-Schweifer am Freitag bei einer
Pressekonferenz in Wien die Situation nach dem Erdbeben auf Haiti. Viele
Österreicher sind bereits dem Spendenaufruf gefolgt: 4,389.681 Euro wurden
seit 14. Jänner im Rahmen der ORF-Spendenaktion "Nachbar in Not - Erdbeben
Haiti" eingenommen.
Megakatastrophe
Die "Megakatastrophe" sei in einem Land
geschehen, in dem bereits zuvor zwei Drittel der Menschen keinen Zugang zu
sauberem Wasser hatten und zwei von drei Menschen unter zwei Dollar pro Tag
zur Verfügung hatten: "Es war schon eine Katastrophe vor der Katastrophe",
sagte Petrik-Schweifer. Nun seien die acht Hilfsorganisationen CARE,
Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Malteser, Rotes Kreuz, Samariterbund und
Volkshilfe im Rahmen von "Nachbar in Not" näher zusammengerückt.
Durch die Spendeneinnahmen hätte man bereits in den ersten Tagen
Zehntausenden Menschen mit Wasser, Essen, Kleidung, Hygieneeinrichtungen und
medizinischer Versorgung erreichen können - Ziel sei aber, Millionen der
Überlebenden mit Hilfe zu erreichen. "Momentan heißt es Nothilfe; Überleben
ist das Thema. Alles andere wird dann kommen und uns noch über Jahre
beschäftigen", erklärte der Vorstandsvorsitzende. Wie viel Geld für die
erste Phase der Soforthilfe notwendig sei, lasse sich noch nicht abschätzen.
"Auch die öffentliche Hand ist aufgerufen, einen Beitrag zu leisten", sagte
Dagmar Lassmann, Leiterin der Diakonie Auslandshilfe.
Michael Opriesnig vom Österreichischen Roten Kreuz sprach von einer der
schwersten Katastrophen in der 150-jährigen Geschichte der Rotkreuzbewegung.
Für den Wiederaufbau sei ein Masterplan gefordert: "Bandenkriminalität war
schon vorher ein Problem, Port-au-Prince hat hauptsächlich aus Slums
bestanden - es kann nicht die Frage sein, wie man Slums wieder aufbaut",
meinte Petrik-Schweifer.
Appelle
Die Helfer appellierten weiterhin an die
Hilfsbereitschaft der Österreicher: Es werde mehr Geld benötigt, als man
überhaupt einnehmen könnte, so Lassmann. Im Rahmen der Spendenaktion
"Nachbar in Not" seien Organisationen zusammengeschlossen, die "nicht
politisch, aber international" vernetzt sind; jeder eingenommene Euro käme
direkt den Menschen auf Haiti zu Gute, erklärte ORF-Koordinatorin von
"Nachbar in Not", Sissy Mayerhoffer.