77 Tote bei Anschlägen in Indien

Blutige Bilanz

© Reuters

77 Tote bei Anschlägen in Indien

Bei einer Anschlagsserie im seit Jahrzehnten von Aufständen erschütterten Nordosten Indiens sind am Donnerstag mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen. Über 300 Menschen wurden bei mindestens elf Explosionen binnen einer Stunde in verschiedenen Orten des Bundesstaates Assam verletzt. Sechs der Detonationen erschütterten demnach die Hauptstadt von Assam, Guwahati (Gauhati). Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand.

Die genaue Zahl der Opfer ist noch unklar. Einige Nachrichtenagenturen sprechen von 61, Reuters von mindestens 65 Todesopfern. Zwischen 300 und 335 Menschen sollen verletzt worden sein. Neben den sechs Detonationen in Guwahati, durch die insgesamt 31 Menschen starben, gab es laut Polizei weitere Explosionen in drei westlichen Bezirken von Assam. Die Angaben zur Zahl der Detonationen schwankt zwischen elf und 13.

Bomben auf öffentlichen Plätzen
Eine der Bomben in Guwahati zielte auf eine Hochsicherheitszone, in der neben einem Gericht auch Polizeidienststellen und Wohnungen für leitende Polizeibeamte untergebracht sind. Die übrigen Explosionen in Guwahati haben laut Polizei vor allem belebte Märkte getroffen. In der Stadt wurde eine Ausgangssperre verhängt, nachdem wütende Anrainer in Folge der Anschläge randaliert und Polizeifahrzeuge sowie die Feuerwehr angegriffen hatten. Der Regierungschef des Bundesstaates, Tarun Gogoi, sprach angesichts der vielen Toten und Verletzten von einer "feigen Tat", die Terror verbreiten sollte.

Obwohl sich zunächst niemand zu den Anschlägen bekannte, nannte ein Regierungssprecher aus Assam die Rebellengruppe Vereinigte Front zur Befreiung Assams (ULFA) als möglichen Urheber. Die Gruppe kämpft seit 1979 um einen eigenen Staat, die Unterstützung für die ULFA schwindet aber zusehends in der Bevölkerung. Die ULFA wies eine Beteiligung an den Anschlägen in einer Erklärung zurück.

Die Polizei prüfte nach eigenen Angaben auch eine Verwicklung von Islamisten aus dem nahe gelegenen Bangladesch in die Anschläge. Ein Regierungssprecher aus Assam sagte, ersten Erkenntnissen zufolge seien einige Bomben auf Fahrrädern festgeschnallt gewesen, die mit brennbarem Material beladen waren. Indiens Premierminister Manmohan Singh erklärte, jede Anstrengung zur Ergreifung der Täter und ihrer Verurteilung werde unternommen. Er sprach von einem "barbarischen" Anschlag auf unschuldige Männer, Frauen und Kinder.

Assam liegt als isolierte Region zwischen Bangladesch, Bhutan, China und Burma; nur ein schmaler Korridor verbindet den Unionsstaat mit dem übrigen Indien. Die Separatisten werfen der Zentralregierung in Neu-Delhi vor, die natürlichen Rohstoffe von Assam auszubeuten, ohne die indigene Bevölkerung an den Einnahmen zu beteiligen. Dem bewaffneten Aufstand in Assam fielen in den vergangenen zehn Jahren mehr als 10.000 Menschen zum Opfer. Erst im Jänner des vergangenen Jahres wurde die Region von einer Anschlagsserie erschüttert, bei der 73 Menschen getötet wurden. Zuletzt waren bei einem Bombenattentat in der nordostindischen Stadt Imphal vor rund einer Woche mindestens 17 Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden.

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