Al-Kaida bekennt sich zu Anschlägen in Algier

Bisher 72 Tote

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Al-Kaida bekennt sich zu Anschlägen in Algier

Die Terrororganisation "Al-Kaida im Islamischen Maghreb" bekannte sich zu den Doppel-Anschlägen in Algeiren und veröffentlichte im Internet die Fotos der Attentäter. Experten halten das Datum des Terroranschlags für symbolträchtig.

Fotos zeigen die beiden mutmaßlichen Selbstmordattentäter Abdel Rahmane al-Assmi und Ibrahim Abou Othmane mit Sturmgewehren und der grünen Fahne des Islam. Die "Märtyrertaten" hätten sich gegen "Kreuzfahrer und Ungläubige" gerichtet, hieß es. Die Lastwagen der beiden Attentäter seien mit jeweils 800 Kilogramm Sprengstoff beladen gewesen, hieß es in der Erklärung weiter. Eine unabhängige Bestätigung für die Echtheit der Erklärung lag zunächst nicht vor.

Siebter Überlebender geborgen
Nach den Anschlägen ist ein siebter Überlebender aus den Trümmern der zerstörten UN-Büros geborgen worden. Rettungskräfte suchten mit Spürhunden weiter nach verschütteten Menschen in den Trümmern des Gebäudes, in dem sich Büros des UN-Flüchtlingswerks (UNHCR) und des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) befunden hatten, wie das algerische Radio am Mittwoch berichtete.

UNO-Mitarbeiter getötet
Einer der Anschläge wurde nahe dem Gebäude des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR verübt. Die Vereinten Nationen in New York gaben die Zahl der getöteten UN-Mitarbeiter mit mindestens vier an, 14 weitere würden vermisst. Nahe dem Obersten Gerichtshof zerfetzte eine Autobombe einen Bus mit Studenten. Die Anschläge wurden international scharf verurteilt. Zerhouni machte das Terrornetzwerk Al Kaida im Maghreb für die Taten verantwortlich. Bis zum Abend bekannte sich niemand zu den Anschlägen.

Beim Anschlag auf den UN-Komplex sind vermutlich fünf UN-Mitarbeiter ums Leben gekommen. Über ein Dutzend Mitarbeiter werden noch unter den Trümmern vermisst, sagte Marie Okabe, Sprecherin des UN-Generalsekretärs, am Dienstag vor Journalisten in New York. "Die Opfer sind noch nicht bestätigt, aber wir glauben, dass es fünf Tote sind. Im Augenblick konzentrieren wir uns darauf, unsere Mitarbeiter zu finden", so die Sprecherin.

Nächste Seite: Autobombe explodierte im bestbewachten Viertel

Die Front des UNHCR-Gebäudes im Wohnviertel Hydra wurde durch die Wucht der Explosion zerstört. Einer UN-Sprecherin in Genf zufolge explodierte die Autobombe zwischen dem UNHCR-Komplex und einem weiteren Gebäude, in dem sich das UN-Entwicklungsprogramm UNDP und andere UN-Vertretungen befinden. Das Viertel wird wegen des hohen Ausländeranteils für gewöhnlich streng bewacht. Rettungskräfte suchten unter den Trümmern nach weiteren Opfern. Nach UN-Angaben stürzte ein Gebäude ein, in dem das UNDP untergebracht war. Zudem seien Büros des Flüchtlingshilfswerkes schwer beschädigt worden.

Oberster Gerichtshof ebenfalls Ziel
Die zweite Autobombe ging in Ben Aknoun vor dem Obersten Gerichtshof hoch, als ein Bus mit Studenten vorbeifuhr. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde der Bus mit voller Wucht von der Detonation getroffen. Die Mehrzahl der Toten und Verletzten seien Studenten, hieß es. Sie seien mit dem Bus auf dem Weg zur juristischen Fakultät gewesen. An den Anschlagsorten stieg dichter schwarzer Rauch auf, die Sirenen von Notarztwagen waren zu hören.

"Sinnlose Gewalt"
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die Anschläge in einer Erklärung "auf das Schärfste". US-Präsident George W. Bush bezeichnete sie als "sinnlose Gewalt". Die Täter seien "Feinde der Menschheit, welche die Unschuldigen angreifen", hieß es in einer vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner erklärte in Brüssel, sie sei über die Anschläge entsetzt und verurteile sie "auf das Schärfste". Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Anschläge in einem Schreiben an seinen algerischen Kollegen Mourad Medelci als "grausam" und "feige". Sie richteten sich gegen die "Anstrengungen Algeriens für innergesellschaftliche Aussöhnung und Befriedung". Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy sprach von "barbarischen, abscheulichen und zutiefst feigen Taten".

Opposition kritisiert Präsident
Die algerische Oppositionspartei RCD (Sammlung für Kultur und Demokratie) machte Präsident Abdelaziz Bouteflika für das Massaker verantwortlich. Er mache den Islamisten beständig Zugeständnisse. Bouteflikas Versöhnungspolitik sei "total gescheitert", sagte RCD-Chef Saïd Sadi der Zeitung "Le Parisien". Die in Öldollars schwimmende Führung habe keinen Kontakt zur Wirklichkeit. Die Zeitung "Le Quotidien d'Oran" schrieb, der wirtschaftliche und soziale Notstand bringe die Jugend zur Verzweiflung. Einige wanderten nach Europa aus, andere gingen zu Terroristen.

Symbolträchtiges Datum
Laut Experten könnte das Datum der Terroranschläge symbolträchtig sein. Seit dem 11. September 2001 haben islamische Extremisten wiederholt am 11. eines Monats zugeschlagen, so am 11. März 2004 in Madrid. Am 11. April dieses Jahres wurden bei Terroranschläge in Algier 33 Menschen getötet. Der 11. Dezember ist in Algerien auch der Jahrestag von Demonstrationen der Unabhängigkeitsbewegung gegen die französische Kolonialherrschaft im Jahr 1960. Das Gebäude des Obersten Gerichtshofs hat die Adresse Boulevard des 11. Dezember.

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