Amtseinführung von Warschauer Erzbischof abgesagt

Rücktritt

© AFP PHOTO / JANEK SKARZYNSKI

Amtseinführung von Warschauer Erzbischof abgesagt

Die Amtseinführung, die für 11 Uhr vormittags geplant war, wurde in letzter Minute abgesagt. Der staatliche Fernsehsender TVP berichtete am Sonntag in der Früh über Informationen, dass das feierliche Pontifikalamt abgesagt und stattdessen eine Dankesmesse für den in den Ruhestand gehenden Amtsvorgänger, Kardinal Jozef Glemp, abgehalten werde.

Aufs Amt verzichtet
Der wegen seiner Geheimdienstvergangenheit unter Druck geratene designierte Warschauer Erzbischof Stanislaw Wielgus hat auf sein Amt verzichtet. Dies teilte der päpstliche Nuntius in Warschau am Sonntag mit, wie der polnische Nachrichtensender TVN24 berichtet. Papst Benedikt XVI. habe den Rücktritt von Wielgus, der eigentlich am Sonntag um 11.00 Uhr mit einem feierlichen Pontifikalamt ins Bischofsamt eingeführt werden sollte, angenommen. Der scheidende Erzbischof Kardinal Jozef Glemp bleibe Administrator der Warschauer Diözese.

Kontake zu Geheimpolizei
Wielgus hatte erst am Freitag nach wochenlangem Schweigen eingeräumt, mit der früheren stalinistischen Geheimpolizei SB (Sluzba Bezpieczenstwa) zusammengearbeitet zu haben. Er legte am Freitag seine Berufung in die Hände von Papst Benedikt XVI. Er äußerte am Freitag öffentlich Reue über seine Verfehlung. Er habe seinerzeit mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet, um weiter ins Ausland reisen zu können. Er habe aber niemanden an den Geheimdienst verraten und habe durch seine Kontakte niemandem geschadet.

Gegner und Befürworter vor der Kathedrale
Vor der Kathedrale warteten seit der Früh hunderte Gläubige, darunter Befürworter und Gegner der kontroversen Amtseinführung von Bischof Stanislaw Wielgus. Die Gegner seiner Ernennung hielten ein Transparent mit der Aufschrift "Non possumus" ("Wir können nicht") hoch. Es ist ein Zitat aus dem Brief des charismatischen Kardinals Stefan Wyszynski, der in 1953 der kommunistischen Macht geschrieben hat, dass er eine Ernennung von katholischen Bischöfen durch die kommunistische Regierung nicht zulassen werde.

Nächtliche Krisengespräche
Der Entscheidung über den Rücktritt von Wielgus waren offenbar nächtliche Krisengespräche der Kirche sowie von staatlichen und kirchlichen Stellen vorausgegangen. Nicht nur für den Vatikan, auch für die rechtskonservative polnische Regierung ist die Angelegenheit äußerst peinlich. Staatspräsident Lech Kaczynski und Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski sind nämlich ebenso strenggläubig wie stramm antikommunistisch.

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