24. November 2009 09:10
Die Zahl der Toten bei einem Massaker im Süden der Philippinen ist am
Dienstag auf mindestens 46 gestiegen. Einsatzkräfte fanden in einem
Massengrab insgesamt 22 weitere dort verscharrte Leichen, wie Polizeichef
Josefino Cataluna sagte. Rund hundert Bewaffnete hatten am Montag eine
Wagenkolonne mit rund 40 Politikern, deren Anhängern und örtlichen
Journalisten überfallen und entführt. Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo
verhängte wegen des Massakers in zwei Provinzen den Ausnahmezustand.
Schuldige verfolgen
"Wir werden keine Mühe scheuen, den Opfern
Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die Schuldigen zu verfolgen und
anzuklagen", kündigte Arroyo in Manila an. Brisant ist allerdings, dass der
tatverdächtige Ampatuan-Clan eng mit ihrer Partei verbündet ist.
Der Notstand, der dem Militär und der Polizei weitreichende Befugnisse
einräumt, gilt für unbestimmte Zeit in den Provinzen Maguindanao und Sultan
Kudarat sowie in der Stadt Cotabato. Auf diese Weise solle weitere Gewalt
verhindert werden, sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Präsidentin Arroyo
entsandte zusätzliche Truppen in die Region und entließ den Polizeichef von
Maguindanao, Zukarno Dicay. Innenminister Ronaldo Puno versprach eine
schnelle Aufklärung des Massakers. Den Behörden lägen bereits Namen
mutmaßlicher Täter vor.
Unter den Getöteten waren auch die Frau von Ismael Mangudadatu,
Vizebürgermeister der Ortschaft Buluan, und zwei seiner Schwestern. Sie
waren in drei Kleinbussen unterwegs nach Shariff Aguak, wo sie die
Unterlagen für die Kandidatur von Mangudadatu bei der Wahl im Mai kommenden
Jahres einreichen wollten. Mangudadatu will sich um das Amt des Gouverneurs
der Provinz Maguindanao bewerben.
Der Mangadadatu-Clan war am Montag auf dem Weg, um die Papiere für die
Kandidatur einzureichen. Die Familie schickte eigens Frauen auf die heikle
Mission - in der Hoffnung, dass der Ampatuan-Clan Gewaltdrohungen dann nicht
wahr machen würde. "Wir dachten, sie wären sicher, weil sie Frauen waren",
sagte Mangudadatu. Seine Frau und zwei Schwestern waren unter den Toten.
Vier Menschen gelang die Flucht
Vier Menschen seien dem Massaker
entkommen und befänden sich nun in seiner Obhut in Sicherheit, sagte
Mangudadatu im Radio. "Sie saßen in einem anderen Auto und konnten fliehen,
als der Konvoi gestoppt wurde", so ein Sprecher. Mit seiner Kandidatur will
Mangudadatu gegen den bisher dreimal ohne Konkurrenten gewählten Amtsinhaber
auf dem Gouverneursposten antreten.
Unter den Opfern sollen nach jüngsten Zahlen auch 17 Journalisten sein.
Ihre Redaktionen konnten sie bisher nicht erreichen. Falls sich die Zahl
bestätigen sollte, wäre es das "größte einzelne Massaker an Journalisten in
der Geschichte", erklärte die in Paris ansässige Organisation Reporter ohne
Grenzen (RSF/ROG). "Das ist ein schwarzer Tag für die Pressefreiheit. Wir
haben oft die Kultur der Gewalt und der Straflosigkeit auf den Philippinen
kritisiert, gerade auf Mindanao", erklärte ROG. Von den lokalen und
nationalen Behörden sei jetzt eine entschlossene Antwort auf die Tat
gefordert.
Die Polizei entdeckte die verscharrten Leichen in der Umgebung der Stadt
Ampatuan in Maguindanao. Die Opfer hätten zahlreiche Schusswunden und
Machetenverletzungen gehabt. Der stellvertretende Polizeichef der Provinz
und drei weitere Beamte standen im Verdacht, an dem Massaker beteiligt
gewesen zu sein. Gegen sie werde ermittelt, sagte der Sprecher der
nationalen Polizei, Leonardo Espina.
Dem Blutbad liegt ein Machtkampf zwischen rivalisierenden Familien
zugrunde. Die Ampatuan-Familie stellt die Gouverneure der Provinz
Maguindanao und der größeren Autonomen Region Muslimisch-Mindanao.
Provinzgouverneur Datu Andal Ampatuan darf nach drei Legislaturperioden
nicht mehr antreten. Sein Sohn wollte das Amt übernehmen, das ihm aber
Ismael Mangudadatu aus einem rivalisierenden Clan streitig machen will.
Mindestens fünf Menschen würden noch vermisst, sagte der philippinische
Polizeichef Jesus Verzosa. Einigen der getöteten Männer waren die Hände auf
dem Rücken gefesselt, wie ein Reuters-Fotograf berichtete. Auch eine
schwangere Frau sei unter den Opfern.