Ausnahmezustand im Süden der Philippinen

Nach Massaker

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Ausnahmezustand im Süden der Philippinen

Die Zahl der Toten bei einem Massaker im Süden der Philippinen ist am Dienstag auf mindestens 46 gestiegen. Einsatzkräfte fanden in einem Massengrab insgesamt 22 weitere dort verscharrte Leichen, wie Polizeichef Josefino Cataluna sagte. Rund hundert Bewaffnete hatten am Montag eine Wagenkolonne mit rund 40 Politikern, deren Anhängern und örtlichen Journalisten überfallen und entführt. Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo verhängte wegen des Massakers in zwei Provinzen den Ausnahmezustand.

Schuldige verfolgen
"Wir werden keine Mühe scheuen, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die Schuldigen zu verfolgen und anzuklagen", kündigte Arroyo in Manila an. Brisant ist allerdings, dass der tatverdächtige Ampatuan-Clan eng mit ihrer Partei verbündet ist.

Der Notstand, der dem Militär und der Polizei weitreichende Befugnisse einräumt, gilt für unbestimmte Zeit in den Provinzen Maguindanao und Sultan Kudarat sowie in der Stadt Cotabato. Auf diese Weise solle weitere Gewalt verhindert werden, sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Präsidentin Arroyo entsandte zusätzliche Truppen in die Region und entließ den Polizeichef von Maguindanao, Zukarno Dicay. Innenminister Ronaldo Puno versprach eine schnelle Aufklärung des Massakers. Den Behörden lägen bereits Namen mutmaßlicher Täter vor.

Unter den Getöteten waren auch die Frau von Ismael Mangudadatu, Vizebürgermeister der Ortschaft Buluan, und zwei seiner Schwestern. Sie waren in drei Kleinbussen unterwegs nach Shariff Aguak, wo sie die Unterlagen für die Kandidatur von Mangudadatu bei der Wahl im Mai kommenden Jahres einreichen wollten. Mangudadatu will sich um das Amt des Gouverneurs der Provinz Maguindanao bewerben.

Der Mangadadatu-Clan war am Montag auf dem Weg, um die Papiere für die Kandidatur einzureichen. Die Familie schickte eigens Frauen auf die heikle Mission - in der Hoffnung, dass der Ampatuan-Clan Gewaltdrohungen dann nicht wahr machen würde. "Wir dachten, sie wären sicher, weil sie Frauen waren", sagte Mangudadatu. Seine Frau und zwei Schwestern waren unter den Toten.

Vier Menschen gelang die Flucht
Vier Menschen seien dem Massaker entkommen und befänden sich nun in seiner Obhut in Sicherheit, sagte Mangudadatu im Radio. "Sie saßen in einem anderen Auto und konnten fliehen, als der Konvoi gestoppt wurde", so ein Sprecher. Mit seiner Kandidatur will Mangudadatu gegen den bisher dreimal ohne Konkurrenten gewählten Amtsinhaber auf dem Gouverneursposten antreten.

Unter den Opfern sollen nach jüngsten Zahlen auch 17 Journalisten sein. Ihre Redaktionen konnten sie bisher nicht erreichen. Falls sich die Zahl bestätigen sollte, wäre es das "größte einzelne Massaker an Journalisten in der Geschichte", erklärte die in Paris ansässige Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF/ROG). "Das ist ein schwarzer Tag für die Pressefreiheit. Wir haben oft die Kultur der Gewalt und der Straflosigkeit auf den Philippinen kritisiert, gerade auf Mindanao", erklärte ROG. Von den lokalen und nationalen Behörden sei jetzt eine entschlossene Antwort auf die Tat gefordert.

Die Polizei entdeckte die verscharrten Leichen in der Umgebung der Stadt Ampatuan in Maguindanao. Die Opfer hätten zahlreiche Schusswunden und Machetenverletzungen gehabt. Der stellvertretende Polizeichef der Provinz und drei weitere Beamte standen im Verdacht, an dem Massaker beteiligt gewesen zu sein. Gegen sie werde ermittelt, sagte der Sprecher der nationalen Polizei, Leonardo Espina.

Dem Blutbad liegt ein Machtkampf zwischen rivalisierenden Familien zugrunde. Die Ampatuan-Familie stellt die Gouverneure der Provinz Maguindanao und der größeren Autonomen Region Muslimisch-Mindanao. Provinzgouverneur Datu Andal Ampatuan darf nach drei Legislaturperioden nicht mehr antreten. Sein Sohn wollte das Amt übernehmen, das ihm aber Ismael Mangudadatu aus einem rivalisierenden Clan streitig machen will.

Mindestens fünf Menschen würden noch vermisst, sagte der philippinische Polizeichef Jesus Verzosa. Einigen der getöteten Männer waren die Hände auf dem Rücken gefesselt, wie ein Reuters-Fotograf berichtete. Auch eine schwangere Frau sei unter den Opfern.

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