Berlusconi-Kanal entschuldigt sich

Richter-Reportage

© Canale Cinque

Berlusconi-Kanal entschuldigt sich

Canale Cinque, einer der privaten TV-Kanäle des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, hat sich bei dem Mailänder Richter Raimondo Mesiano für eine umstrittene TV-Reportage entschuldigt. Der Richter, der Anfang Oktober nach einem jahrzehntelangen Streit um die Kontrolle des Verlagshauses Mondadori Berlusconis Fininvest-Konzern zur Zahlung von 750 Millionen Euro an die Holding von Carlo De Benedetti, dem Erzrivalen des Regierungschefs, verurteilt hatte, war im Rahmen einer Sendung von Canale Cinque in einer Reportage scharf kritisiert und als Sonderling beschrieben worden.

Türkisfarbene Socken
Mesiano war unter anderem beim Kettenrauchen, beim Spaziergang zum Friseur und zum Park heimlich gefilmt worden. Wiederholt war das als "extravagant" bezeichnete Verhalten des Richters hervorgehoben worden, wobei man auf Mesianos türkisfarbene Socken in weißen Schuhen verwies. Die Richtervereinigung und der Journalistenverband Italiens reagierten entrüstet und sprachen von einer Kampagne zur Entwürdigung Mesianos.

Claudio Brachino, Moderator von "Mattino 5", der Sendung, die die umstrittene Reportage ausgestrahlt hatte, entschuldigte sich am gestrigen Montag bei Mesiano. Er gab zu, dass die Reportage nicht besonders gelungen sei und versprach, sie nicht mehr zu senden. Er rief den Richter jedoch auf, auf einige Fragen zu antworten. Er wolle wissen, warum der Richter für die Berechnung der Schadenssumme im Mondadori-Prozess keinen Fachmann zu Rate gezogen hatte, sondern einfach von den Schadenersatzforderungen De Benedettis ausgegangen sei.

Frage nach Beförderung
Brachino fragte außerdem, warum Mesiano wenige Tage nach dem Mondadori-Urteil vom Richterparlament befördert worden sei. "Ist die Beförderung aus beruflichen Gründen wirklich verdient, oder ist sie eine Belohnung für das Urteil gegen den Ministerpräsidenten?", fragte der Journalist. Justizminister Angiolino Alfano verteidigte Mesiano. Der Schutz der Privatsphäre müsse jedoch für alle gelten, auch für Berlusconi, der seit Monaten im Kreuzfeuer einer medialen Offensive stehe. Dabei sei die Privatsphäre Berlusconis wiederholt verletzt worden, meinte Alfano.

In seiner Urteilsbegründung hatte Richter Mesiano auf eine Mitverantwortung Berlusconis hingewiesen. 2007 hatte ein Gericht geurteilt, dass ein Richterspruch aus dem Jahr 1991, der Berlusconi Recht gab, "gekauft" worden sei - wegen Verjährung wurde der Regierungschef jedoch nie dafür belangt.

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