Bhutto im Familienmausoleum beigesetzt

Trauer in Pakistan

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Bhutto im Familienmausoleum beigesetzt

Einen Tag nach ihrer Ermordung ist die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto am Freitag in ihrer Heimat beigesetzt worden. Die frühere Regierungschefin wurde unter großer Anteilnahme im Familienmausoleum in Ghari Khuda Baksh im Süden Pakistans bestattet. Hunderttausende trauernde Anhänger gaben der populären Politikerin das letzte Geleit. Die pakistanische Regierung machte das Terrornetzwerk Al Kaida für den Anschlag auf Bhutto verantwortlich. Präsident Perez Musharraf hatte nach dem Selbstmordanschlag dreitägige Staatstrauer angeordnet. Der Mordanschlag führte zu Ausschreitungen im ganzen Land, bei denen allein in der Provinz Sindh, der Bhutto-Hochburg, rund 20 Menschen ums Leben kamen.

Weißer Ambulanzwagen
Ein weißer Ambulanzwagen brachte den Sarg mit den sterblichen Überresten Benazir Bhuttos inmitten der trauernden Anhänger im Schritttempo zum Familienmausoleum in Ghari Khuda Baksh in der Provinz Sindh. Für den fünf Kilometer langen Weg vom Haus der Familie in Naudero bis zum Mausoleum benötigte der Wagen zwei Stunden. Der Sarg war mit einer Fahne von Bhuttos Pakistanischer Volkspartei (PPP) bedeckt. Vor der Beisetzung verlas ein Mullah Gebete. Die Anhänger Bhuttos drängten sich in das prunkvolle Mausoleum. Einige weinten, andere riefen: "Benazir lebt." Trotz des Massenauflaufs kam es bei der Beisetzung zunächst nicht zu den befürchteten Zwischenfällen.

Die am Donnerstag bei einem Selbstmordanschlag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi getötete Oppositionsführerin wurde an der Seite ihres 1979 hingerichteten Vaters, dem einstigen Präsidenten, Premierminister und PPP-Gründer Zulfikar Ali Bhutto, bestattet. Auch ihre beiden ebenfalls getöteten Brüder sind dort begraben. Am Freitagmorgen war Bhuttos Leichnam in Begleitung ihres Ehemannes Asif Ali Zardari und ihrer drei Kinder mit einem Hubschrauber von Islamabad nach Naudero gebracht worden.

Lesen Sie hier: Bhutto erlitt Schädelbruch

Gestorben sei die frühere Ministerpräsidentin Bhutto nicht durch Schüsse, die unmittelbar vor dem Selbstmordattentat auf sie am Donnerstag in Rawalpindi abgegeben wurden. In Bhuttos Körper seien keine Kugeln oder Geschoßteile gefunden worden, sagte der Sprecher des pakistanischen Innenministeriums weiter.

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Bild zeigt die Fraktur des Schädels, (c) AP

Sie sei auch nicht durch Schrapnell oder herumfliegende Teile nach der Explosion getroffen worden, so Cheema. Seinen Angaben zufolge starb die 54-jährige Politikerin vielmehr an einem Schädelbruch, den sie sich zugezogen habe, als sie mit dem Kopf gegen einen Hebel am aufgeklappten Dach ihres Fahrzeuges stieß.

Der Attentäter hatte seine Bombe gezündet, als Bhutto am Ende einer Wahlkampfveranstaltung vom aufgeklappten Dach ihres Fahrzeuges aus ihren Anhängern zuwinkte. Zunächst fielen drei Schüsse. Die Explosion ereignete sich, als Bhutto versuchte, sich ins Innere des kugelsicheren Fahrzeuges zurückzuziehen.

Es gebe "unwiderlegbare Anhaltspunkte", dass die Al-Kaida Pakistan destabilisieren wolle, sagte Cheema auf der Pressekonferenz. Die Polizei habe nach dem Tod Bhuttos einen Telefonanruf des Terrornetzwerkes abgehört. Darin habe Anführer Mehsud seinen Leuten zu dem Attentat gratuliert. Mehsud stecke auch hinter dem Anschlag vom 18. Oktober auf eine Freudenparade nach der Rückkehr Bhuttos aus dem Exil. Dabei waren rund 140 Menschen getötet worden. Die Oppositionsführerin Bhutto war damals unverletzt geblieben. Pakistans Innenminister Hamid Nawaz hatte bereits vor der Erklärung des Ministeriumssprechers die Al-Kaida sowie auch die radikal-islamischen Taliban für das tödliche Attentat auf Bhutto am Donnerstag verantwortlich gemacht. Dafür habe die Regierung Beweise.

Zweifel an Todesursache
Ein enger Mitarbeiter der getöteten pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto hat die Regierung wegen der Angaben zur Todesursache scharf kritisiert. Das Innenministerium habe ein "Paket von Lügen" verbreitet, sagte Bhuttos Anwalt Farooq Naik am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Nach Darstellung des Innenministeriums starb die frühere Premierministerin am Donnerstag nicht durch Schüsse. Sie habe eine Schädelfraktur erlitten, als sie durch die Wucht der Explosion der Bombe des Selbstmordattentäters mit dem Kopf an einen Hebel des offenstehenden Schiebedachs ihres Geländewagens geschlagen sei.

"Das ist ohne Grundlage", sagte Naik, der auch ein hochrangiges Mitglied der Pakistanischen Volkspartei (PPP) Bhuttos ist. "Zwei Schüsse haben sie getroffen, einer im Unterleib und einer im Kopf." Laut Regierung wurden in Bhuttos Leiche keine Kugeln oder Geschoßteile entdeckt; eine Autopsie habe auf Wunsch der Familie Bhuttos aber nicht stattgefunden.

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Bhutto war am Donnerstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi von einem Attentäter durch Schüsse tödlich verletzt worden. Anschließend sprengte sich der Täter in die Luft und riss mindestens 20 weitere Menschen mit in den Tod. Der Mordanschlag hat international Bestürzung und Sorge über die Zukunft der Atommacht Pakistan ausgelöst. Die Regierung in Islamabad erhöhte nach dem Anschlag die Sicherheitsvorkehrungen weiter und entsandte zusätzliche Truppen in mehrere Städte der Provinz Sindh. In der Millionenstadt Karachi erhielten die paramilitärischen Kräfte einen Schießbefehl gegen Demonstranten.

Gewaltausbruch
Der Mord an der Oppositionsführerin hatte landesweit Ausschreitungen und Proteste gegen Präsident Pervez Musharraf ausgelöst. Auch am Freitag gab es gewaltsame Proteste. In Peshawar stürmte eine aufgebrachte Menge das Büro der Partei Pakistanische Muslim-Liga-Q, die Präsident Musharraf nahesteht. In Rawalpindi, wo Bhutto getötet worden war, ging die Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten vor. Bei einem Bombenanschlag im Swat-Tal im Nordwesten Pakistans wurden vier Menschen getötet, darunter nach Polizeiangaben ein Mitglied der Partei Musharrafs. Im indischen Teil von Kaschmir, das vorwiegend von Muslimen bewohnt wird, wurde von Separatisten ein Generalstreik ausgerufen.

Der Tod Bhuttos hatte weltweit Sorge vor einem Erstarken der Islamisten in Pakistan ausgelöst, das über Atomwaffen verfügt und ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus ist. Bhutto war eine erklärte Gegnerin des islamischen Extremismus. Für den Anschlag auf eine Parade anlässlich ihrer Rückkehr aus dem Exil hatte sie aber den pakistanischen Geheimdienst verantwortlich gemacht. Bei dem Attentat am 18. Oktober waren 139 Menschen getötet worden.

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Österreich hat die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto am Donnerstag Betroffenheit hervorgerufen: "Mit Entsetzen und Abscheu" reagierte Außenministerin Ursula Plassnik (V) auf den "barbarischen Akt". Mit Bhutto habe Pakistan "eine mutige Kämpferin für die Rückkehr des Landes zu einer pluralistischen Demokratie" verloren, so die Ministerin in einer Aussendung.

Für Extremisten sei die Ex-Ministerpräsidentin ein "doppeltes Feindbild" gewesen: "als starke Frau, die in der pakistanischen Politik ihren 'Mann' stand und als Politikerin, die in der Tradition Pakistans ebenso verwurzelt war wie in der demokratischen Moderne. Sie personifizierte die Vereinbarkeit dieser beiden Pfeiler eines fortschrittlichen Pakistan und war damit eine direkte Herausforderung an die steinzeitliche Ideologie, die Islamisten mit Gewalt und Terror verbreiten wollen." Plassnik sprach von einem "direkten Anschlag auf die Sicherheit und den Demokratisierungspfad Pakistans".

Nach Ansicht des Außenpolitische Sprechers der SPÖ, Andreas Schieder, darf Pakistan nun den Weg der Demokratie keinesfalls verlassen. Auch Schieder zeigte sich "tief betroffen", wie er in einer Presseerklärung schrieb.

Auch Russland übt scharfe Kritik
Auch Russland hat den Anschlag in der pakistanischen Stadt Rawalpindi verurteilt. Die Regierung in Moskau erklärte zugleich, man hoffe, dass es der Führung von Pakistan gelinge, "die Sicherheit im Land zu garantieren", wie Außenamtssprecher Michail Kaminin mitteilte.

London ist zutiefst geschockt
Großbritannien hat den tödlichen Anschlag auf die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto scharf verurteilt. Er sei "zutiefst geschockt", sagte der britische Außenminister David Miliband am Donnerstag in London. Das Attentat sei ein "sinnloser Angriff" gewesen.

Bhutto sei sich des Risikos bewusst gewesen, nach Pakistan zurückzukehren. "Aber sie war überzeugt, dass ihr Land sie braucht", sagte Miliband. Die Briten beherrschten Pakistan seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Unabhängigkeit und Staatsgründung der mehrheitlich muslimischen Teile von Britisch-Indien 1947.

Paris: "Schwer erschüttert"
Der französische Außenminister Bernard Kouchner hat sich nach dem tödlichen Anschlag auf die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto "schwer erschüttert" gezeigt. Er verurteile die "schlimme Tat" und spreche den Angehörigen aller Opfer sein Mitleid aus, teilte das Außenministerium am Donnerstag in Paris mit. "Die Stabilität und die Demokratie Pakistans müssen ins Zentrum der Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft rücken", hieß es in der Stellungnahme

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