Blonder

Argentinien

Blonder "Todesengel" vor Gericht

Mehr als 30 Jahre nach der Entführung von zwei französischen Nonnen während der Militärdiktatur in Argentinien muss sich ein ehemaliger Offizier der Marine vor Gericht verantworten. Der als blonder "Todesengel" bezeichnete Alfredo Astiz ist einer von 19 ehemaligen Marineangehörigen, dem ab Freitag in Buenos Aires der Prozess gemacht wird. "Wir hoffen, dass sie lebenslang bekommen", sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Regierung, Luis Alem.

Verschleppung eingefädelt
Der heute 58-jährige Astiz hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Schlüsselrolle bei der Verfolgung linksgerichteter Dissidenten und mutmaßlicher Sympathisanten während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983. Der Kapitänleutnant soll sich kurz nach dem Militärputsch von 1976 als Bruder eines verschwundenen Dissidenten ausgegeben haben, um die Mütter der Plaza de Mayo auszuspionieren. Im Dezember 1977 führte er dann Soldaten zu zehn Mitgliedern der Gruppe, die von diesen verschleppt wurden.

Leichen von Flieger ins Meer geworfen
Unter ihnen waren die französischen Nonnen Alice Domon und Leonie Duquet, der Journalist Rodolfo Walsh und mehrere Gründer der Mütter der Plaza de Mayo. Nach Berichten von Augenzeugen war Duquet zunächst in einer Marineschule inhaftiert. Ihre Leiche wurde demnach von einem Flugzeug über dem Atlantik abgeworfen und ans Ufer gespült. Dort wurde sie in einem namenlosen Grab beigesetzt. Vor vier Jahren identifizierten Gerichtsmediziner die sterblichen Überreste von Duquet und einer weitere Begründerin der Mütter der Plaza de Mayo, Azucena Villaflor de Vincenti.

Astiz hat angegeben, er wisse nichts von den "Todesflügen" über dem Atlantik. Sein Anwalt sagte, dass Astiz als Angehöriger der Marine lediglich Befehle ausgeführt habe, um die Nation vor extremistischer Gewalt zu schützen.

Jahrelanges juristisches Tauziehen
Bereits 1990 wurde Astiz von einem französischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein italienisches Gericht setzte in einem weiteren Prozess das gleiche Strafmaß fest. In Argentinien stand Astiz bereits 1985 vor Gericht. Wegen eines damals verabschiedeten Amnestiegesetzes wurde das Verfahren aber eingestellt. 2005 hat der Oberste Gerichtshof die Amnestie annulliert. Insgesamt soll jetzt 358 Beschuldigten der Prozess wegen Verbrechen während des "Schmutzigen Krieges" gemacht werden. Nach offiziellen Angaben wurden während der Militärdiktatur 13.000 Menschen getötet. Menschenrechtsorganisationen nennen eine Zahl von 30.000 Toten.

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