Blutiges Wochenende im Irak

135 Tote

Blutiges Wochenende im Irak

Bei dem bisher schwersten Bombenanschlag im Irak seit dem US-Einmarsch 2003 hat ein Selbstmordattentäter mindestens 135 Menschen mit in den Tod gerissen. Die gewaltige Detonation zerstörte etwa 30 Geschäfte und 40 Wohnhäuser. Unter den Opfern befanden sich zahlreiche Frauen und Kinder. Seit Beginn des Irak-Krieges vor knapp vier Jahren wurden noch nie so viele Menschen bei einem einzelnen Anschlag getötet.

Eine Tonne Sprengstoff gezündet
Der Attentäter hatte am Samstag auf einem belebten Markt Bagdads einen Lastwagen in die Luft gejagt, der nach Angaben des Innenministeriums mit einer Tonne Sprengstoff beladen war. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt. Bis zu einer endgültigen Opferbilanz können noch Tage vergehen.

Auch am Sonntag Schießereien und Anschläge
Am Sonntag starben in Bagdad 16 weitere Menschen bei Anschlägen und Schießereien. Auch eine Journalistin kam ums Leben: Als sie offenbar einen US-Checkpoint übersah bzw. ignorierte, wurde sie von einem US-Soldaten in ihrem Pkw erschossen.

Blutiges Chaos in Bagdad
Nach der schweren Explosion am Samstag im Schiiten-Viertel Sadrija war noch in weiter Ferne eine dichte Rauchwolke am Himmel zu sehen. Am Tatort klaffte ein riesiger Krater im Erdboden. Zahlreiche umliegende Gebäude wurden zerstört, von einigen Geschäften riss die Wucht der Explosion die Fassaden ab.

"Was haben wir getan?", klagte ein älterer Mann, der am Sonntag zwischen den Häuserruinen stand. Helfer durchsuchten die mit Blut getränkten Trümmer nach weiteren Todesopfern. In den umliegenden Krankenhäusern spielten sich chaotische Szenen ab. Die Gänge waren überfüllt mit Verletzten. Freunde und Angehörige der Opfer schrien verzweifelt um Hilfe.

Maliki muss Führungsstärke beweisen
Die US-Regierung nannte den Anschlag eine Gräueltat und sicherte der irakischen Regierung ihre Unterstützung zu. Bush forderte Maliki aber auch auf, im Kampf für eine Befriedung des Irak Führungsstärke zu beweisen. Die irakische Regierung müsse bestimmte Ziele erreichen, sagte er vor demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Dazu gehöre auch, in Bagdad Ruhe und Ordnung zu schaffen. Bush sagte den Abgeordneten, seine Unterstützung für Malikis Regierung sei nicht unbegrenzt.

Der Regierungschef machte Anhänger des hingerichteten Ex-Präsidenten Saddam Hussein und andere sunnitische Rebellen für den Anschlag in der Hauptstadt verantwortlich. Am Sonntag teilte die Regierung in Bagdad mit, die Hälfte der sunnitischen Extremisten seien über das benachbarte Syrien in den Irak gekommen.

Offiziell kein Bürgerkrieg im Irak
Erst am Freitag hatte ein US-Geheimdienstbericht eingeräumt, dass die eskalierende Gewalt zwischen den muslimischen Religionsgruppen der sunnitischen Minderheit und der politisch dominierenden schiitischen Mehrheit die Züge eines Bürgerkriegs trage. Die US-Regierung lehnt es aber bisher ab, offiziell von einem Bürgerkrieg zu sprechen. Allein in der vergangenen Woche starben bei Gewaltakten im Irak etwa 1.000 Menschen.

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