Bombe jagt Polizeizentrale in die Luft

Inguschetien

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Bombe jagt Polizeizentrale in die Luft

Bei einem Selbstmordanschlag in der russischen Kaukasusrepublik Inguschetien sind am Montag mindestens 19 Polizisten ums Leben gekommen. Dutzende weitere Menschen wurden nach Angaben der Ermittlungsbehörden verletzt, als der Attentäter einen mit Sprengstoff beladenen Kleinlaster im Hof des Polizeihauptquartiers in der Gebietshauptstadt Nasran in die Luft sprengte. Dort hatten sich die Beamten gerade zum morgendlichen Appell versammelt.

"Gewaltige Explosion"
Der Attentäter durchbrach mit dem Fahrzeug das Sicherheitstor der Polizeiwache, wie die Moskauer Staatsanwaltschaft mitteilte. Dann habe sich eine "gewaltige Explosion" ereignet. Die Bombe hatte demnach eine Sprengkraft von etwa 50 Kilogramm TNT gehabt. Ein Sprecher des inguschischen Präsidenten Junus-Bek Jewkurow sprach von rund 70 Verletzten, darunter seien elf Kinder und zahlreiche Bewohner angrenzender Häuser.

Die Polizeiwache stand nach der Explosion in Flammen, auch ein angrenzendes Wohnhaus und mehrere Bürogebäude wurden teils schwer beschädigt. Polizisten hatten noch versucht, das heranrasende Fahrzeug mit Schüssen zu stoppen, was aber nicht gelang, wie der stellvertretende inguschische Innenminister Dsyaudin Dsortow sagte. Nach Polizeiangaben ereigneten sich nach dem eigentlichen Anschlag noch mehrere kleinere Explosionen, da der Attentäter den Laster in der Nähe des Munitionslagers der Polizei in die Luft gesprengt hatte.

Russlands Staatschef Dmitri Medwedew forderte das Innenministerium auf, die Sicherheitsvorkehrungen in Inguschetien zu verschärfen. Inguschetiens Präsident Jewkurow schrieb die Tat radikalislamischen Aufständischen zu. Die Islamisten versuchten, die Region zu destabilisieren, ließ er über seinen Sprecher mitteilten. Die Behörden ordneten eine dreitägige Staatstrauer an.

Vorwürfe
Der inguschische Präsident machte auch die USA, Großbritannien und Israel für die schlechte Sicherheitslage im Nordkaukasus verantwortlich. Diese seien an einer Destabilisierung der Lage interessiert, erklärte er am Montag gegenüber dem russischen Radiosender RSN. Der Westen sei "bemüht, Russland an der Erstarkung zu hindern", so Jewkurow laut der Nachrichtenagentur RIA Novosti.

"Ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass dahinter die Araber stehen. Dahinter stehen andere, ernstzunehmendere, Kräfte. Ich habe das schon betont und wiederhole auch jetzt: der Westen ist weiterhin bemüht, Russland an der Erstarkung bis hin zur Macht der Ex-Sowjetunion zu hindern", so Jewkurow, der weiter meinte: "Die Araber, die in den Nordkaukasus kommen, sind Söldner. Wir verstehen aber, wessen Interessen dahinter stehen: die der USA und Großbritanniens, aber auch Israels. Das ist durchaus real."

Die Situation nach dem Terroranschlag war unterdessen kritisch, in Krankenhäusern reichten die Krankenbetten und Blutkonserven für die zahlreichen Verletzten nicht aus, berichtete RIA Novosti. Wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums von Inguschetien der Agentur telefonisch mitteilte, würden Verletzte zum Teil in Krankenhäuser im Umland eingeliefert. Es mangle an Blutkonserven für Transfusionen, Medikamenten und Medizintechnik.

Wilde Gegend
Inguschetien war in jüngster Zeit wiederholt Schauplatz von Schießereien, Anschlägen und Angriffen auf die Sicherheitskräfte gewesen. Im Juni war Jewkurow selbst bei einem Anschlag schwer verletzt worden. Erst vor vier Tagen hatte der Kreml angekündigt, der Präsident werde in sein Amt zurückkehren. In der vergangenen Woche war zudem der Bauminister Ruslan Amerchanow in seinem Büro erschossen worden.

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