Brown fordert Frühwarnsystem für Weltwirtschaft

Wirtschaftsgipfel

© Daniel Berehulak/Getty Images

Brown fordert Frühwarnsystem für Weltwirtschaft

Die vier führenden europäischen Industrienationen haben angesichts der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten und Börsen ein Frühwarnsystem gefordert, um Krisen rechtzeitig zu erkennen. In einem gemeinsamen Kommuniqué setzten sich Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien sowie die EU-Kommission für mehr Transparenz vor allem bei Rating-Agenturen ein und riefen die Banken auf, fällige Abschreibungen im Hinblick auf die US-Immobilienkrise schnell und umfassend aufzudecken.

Gipfeltreffen in London
An dem Gipfeltreffen in London nahmen britische Premierminister Gordon Brown, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der noch amtierende italienische Ministerpräsident Romano Prodi und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso teil. Hintergrund waren die jüngsten Börsenturbulenzen und die von der US-Immobilienkrise ausgelösten Spannungen an den Finanzmärkten. "Wir brauchen eine besseres globales Frühwarnsystem", sagte Brown.

Selbstregulierung der Märkte
Die Gipfelteilnehmer setzen auf eine Selbstregulierung der Finanzmärkte. Merkel forderte die Marktteilnehmer zu mehr Transparenz auf. "Die wichtige Botschaft lautet: Wenn das nicht passiert, dann muss auch regulatorisch gehandelt werden." Merkel lobte das Londoner Treffen als "außerordentlich wichtig". Es seien Fortschritte erzielt worden, die aber noch nicht ausreichten. Sie sprach sich dafür aus, bei der Bewertung neuer Finanzinstrumente eine Einigung auch mit den USA zu suchen. "Wenn das nicht der Fall ist, müssen wir einen Schritt weitergehen und regulatorische Maßnahmen ergreifen", sagte sie.

Schnellere Offenlegung aller Risiken
"Wir haben uns verpflichtet, eng zu kooperieren, um wirtschaftliche Stabilität zu bewahren", erklärte Brown. Er sprach von Risiken und einer Zeit globaler Unsicherheiten, denen es zu begegnen gelte. Von den Banken forderte er im Namen der Konferenzteilnehmer eine schnelle Offenlegung aller Risiken und Verluste. Die primäre Verantwortung für den Umgang mit den Risiken bleibe bei den Finanzinstitutionen und Anlegern. Es gelte zudem für die zuständigen Behörden, etwa im Aufsichtsbereich, auf EU-Ebene wie global enger zu kooperieren und Informationen auszutauschen. "Wir fordern mehr Transparenz", sagte Brown. "Wir stehen bereit, regulatorisch einzugreifen, wenn es hier keine Fortschritte gibt", drohte der britische Premierminister an.

Enge Zusammenarbeit
Die vier europäischen Länder wollen aber nicht nur untereinander enger zusammenarbeiten. "Wir haben auf zwei Ebenen zu handeln", sagte Barroso. Es gehe um die EU-Ebene wie die globale, etwa im Rahmen der G-8. Zudem sollen international abgestimmte Regeln für den Umgang mit Krisen entwickelt werden. Eine besondere Rolle beim Krisenmanagement dabei könnte der Internationale Währungsfonds (IWF) spielen. Dazu bedürfe es weiterer Reformen der weltweiten Finanzinstitutionen.

G-7-Finanzministertreffen in Tokio
Das Gespräch der europäischen Mitglieder der G-7 beziehungsweise G-8 fand nur wenige Tage vor dem G-7-Finanzministertreffen in Tokio am 9. Februar statt. Eine Abstimmung zwischen den europäischen G-8-Mitgliedern im Rahmen eines Gipfeltreffen ist ungewöhnlich. Das Treffen hatte bei kleineren EU-Staaten Verstimmung ausgelöst, weil sie nicht mit am Tisch sitzen.

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