China sieht Klima-Einigung gefährdet

Kopenhagen

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China sieht Klima-Einigung gefährdet

China sieht offenbar nur noch wenig Chancen für eine Einigung bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen. Pekings Chefunterhändler Su Wei kritisierte am Donnerstag vor allem die Absicht von Gipfelgastgeber Dänemark, noch am selben Tag einen Entwurf für ein Klimaabkommen in Umlauf zu bringen. "Man kann nicht einfach einen aus der Luft gegriffenen Text vorlegen", wurde Su in Peking von der staatlichen Agentur Xinhua zitiert.

Und die Verbreitung dieses Textentwurfs vor eingehenden Beratungen würde einen erfolgreichen Abschluss in Kopenhagen "sehr gefährden". Der Weltklimagipfel geht heute (Donnerstag) in die entscheidende Schlussrunde. Bis zuletzt konnten die dänischen Gastgeber keine Einigung auf eine Verhandlungsgrundlage erzielen.

"Weltweite Herausforderung"
China stößt sich offenbar an Verfahrensfragen. Das Schwellenland habe sich auf die Seite der Entwicklungsländer geschlagen und sei gegen den Vorschlag der dänischen Verhandlungsführung, einzelne Konfliktfelder in kleine Arbeitsgruppen zu verlagern, sagte ein Gesprächsteilnehmer. Dänemark habe für eine solche Entscheidung aus chinesischer Sicht kein Mandat. China habe seine Einwände am Mittwochabend der Konferenzleitung mitgeteilt.

Chinas Regierungschef Wen Jiabao hat nichtsdestotrotz den Willen seines Landes bekräftigt, im Kampf gegen den Klimawandel auf internationale Zusammenarbeit zu setzen. China sei bereit, dieser "weltweiten Herausforderung" gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft und mit "höchster Ernsthaftigkeit und Bestimmtheit" entgegenzutreten, sagte Wen laut einer am Donnerstag im Internet veröffentlichten Mitteilung des chinesischen Außenministeriums. Mit seinem Erscheinen auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen wolle er die große Bedeutung demonstrieren, die dem Thema von China beigemessen werde.

Senkung der Emissionen
Wen landete am Mittwoch in Kopenhagen, um sich an den Beratungen über ein Klimaschutzabkommen zu beteiligen. Er hoffe auf eine "gerechte, angemessene, ausgewogene und erreichbare" Vereinbarung, die durch ein "gemeinsames Bemühen" aller Staaten getroffen werde, teilte der chinesische Regierungschef der Erklärung zufolge mit. Die Regierung in Peking hatte vor dem Gipfel angeboten, die umweltschädlichen Kohlendioxid-Emissionen pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts bis 2020 im Vergleich zu 2005 um 40 bis 45 Prozent zu senken. Experten kritisieren, dass dies angesichts des erwarteten Wirtschaftswachstums in China unter Umständen keine Reduzierung des Ausstoßes zur Folge hat.

Auch die Verhandlungsführer aus Brasilien, China, dem Senegal und dem Sudan kritisierten unterdessen offen die dänischen Gastgeber, denen sie mangelnde Transparenz und geheime Absprachen vorwarfen. Außerdem äußerten sich immer mehr Spitzenpolitiker wie der britische Premierminister Gordon Brown und der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg wegen der Verzögerungen und fehlender Fortschritte bei den Gesprächen skeptisch über die Erfolgsaussichten.

Obama bemüht sich
Zum Abschluss der seit zwei Wochen tagenden UNO-Klimakonferenz sollen Staats- und Regierungschefs aus mehr als 100 Staaten versuchen, konkrete Ziele im Kampf gegen den Klimawandel zu vereinbaren. US-Präsident Barack Obama wird am Freitag erwartet. Für Österreich reist Bundeskanzler Werner Faymann an. Insgesamt verhandeln in Kopenhagen 192 Länder. Bis Freitag sollen sie sich über die Eckpfeiler eines neuen Weltklimaabkommens einigen, das 2013 an die Stelle des Kyoto-Protokolls zur Senkung der gefährlichen Treibhausgase treten soll.

Obama bemühte sich in Washington vor seinem Abflug nach Kopenhagen um ein greifbares Ergebnis des Weltklimagipfels. In Telefonaten mit seinem brasilianischen Kollegen Luiz Inacio Lula da Silva und dem Premier der Karibikinsel Grenada, Tillman Thomas, versuchte Obama nach Angaben des Weißen Hauses, "ein positives Ergebnis in Kopenhagen voranzubringen". Der US-Präsident sprach sich für eine Einigung bei dem Gipfel aus. Allerdings müssten Kontrollmechanismen vereinbart werden, um die Einhaltung von Emissionsgrenzen zu überwachen.

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