Clinton und Chirac haben Karadzic laufen gelassen

Vorwürfe

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Clinton und Chirac haben Karadzic laufen gelassen

Die USA, Großbritannien und Frankreich hätten wiederholt die Festnahme eines der meist gesuchten Angeklagten des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen, Radovan Karadzic, verhindert, behauptet die ehemalige Sprecherin der früheren Chefanklägerin des Haager Tribunals, Florance Hartmann. "Manchmal wurde die Festnahmeaktion von (Frankreichs Präsident Jacques) Chirac, ein anderes Mal von (US-Präsident Bill) Clinton persönlich blockiert", sagte sie in einem Gespräch mit der serbischen Tageszeitung "Blic".

USA unternahmen nichts
Hartmann zufolge hatte die Haager Anklagebehörde die Amerikaner wiederholt über den genauen Aufenthaltsort von Karadzic informiert, sie hätten allerdings nichts unternommen. Auch sollen zwei Mitarbeiter des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA im Sommer 2005 die bosnische Polizei aufgefordert haben, die von Tribunalschefanklägerin Carla del Ponte beantragte Observierung der Familie Karadzic' einzustellen. "Del Ponte besaß die Information, dass die Familie Kontakte zu Karadzic unterhielt. Sie sagte der bosnischen Polizei, dass dies der Weg sei, sehr leicht an Karadzic zu gelangen", sagte Hartmann. "Offensichtlich besaß dieselbe Information auch die CIA, die Karadzic nicht in Den Haag sehen wollte."

Nach Worten der früheren Sprecherin Del Pontes wurde der Chef der bosnischen Geheimpolizei Momir Munibabic auf Antrag des damaligen internationalen Bosnien-Beauftragten Paddy Ashdown (2002-2006) abgesetzt, nachdem er große Fortschritte bei der Fahndung nach Karadzic gemacht habe.

Risiko für Westmächte
"Jetzt, wo Karadzic endlich festgenommen worden ist, kann er sehr viel über die Geheimabsprachen erzählen, die auch zum Fall der UNO-Schutzzone Srebrenica (im Sommer 1995) geführt haben. Für die westlichen Großmächte stellt seine Aussage ein großes Risiko dar. Bisher hat es keine festen Beweise dafür gegeben, dass die westlichen Staaten Srebrenica für die Mitarbeit der Serben am Friedensprozess übergeben haben", ist Hartmann überzeugt.

Die These, dass Frankreich, die USA, Großbritannien und Russland die mutmaßlichen bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Karadzic und Ratko Mladic bewusst laufen ließen, vertritt Hartmann auch in ihrem im Herbst des Vorjahres erschienenen Buch "Friede und Bestrafung" ("Paix et Chatiment"/Verlag Flammarion).

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