08. Februar 2010 07:06
Zum ersten Mal in der Geschichte des mittelamerikanischen Landes Costa Rica
hat eine Frau eine Präsidentenwahl gewonnen. Die 50 Jahre alte Politologin
Laura Chinchilla verwies am Sonntag ihre Konkurrenten deutlich auf die
Plätze. Nach Auszählung von fast 20 Prozent der Wahllokale erreichte sie
47,6 Prozent der Stimmen. Die Zahlen teilte der Chef der Obersten
Wahlbehörde, Luis Antonio Sobrado, rund drei Stunden nach Schließung der
Wahllokale mit.
Damit dürfte Chinchilla bereits im ersten Wahlgang ihr Ziel erreicht haben,
den derzeitigen Amtsinhaber und Friedensnobelpreisträger Óscar Arias zu
beerben. Ottón Solís von der Partei der Bürgeraktion (PAC) kam auf 23,1
Prozent der Stimmen und für Otto Guevara von der Partei Befreiungsbewegung
(PML) stimmten 21,8 Prozent der Wähler. Solís und Guevara erkannten den Sieg
Laura Chinchillas an und kündigten eine konstruktive Opposition an.
Vertrauen gesunken
Mit dem Sieg Chinchillas dürfte vor allem die
Kontinuität der sozialdemokratisch ausgerichteten Politik von Arias
sichergestellt sein. Chinchilla gehört ebenso wie Arias der
sozialdemokratisch orientierten Partei der Nationalen Befreiung (PLN) an.
Die Amtszeit von Arias, der das Land bereits in den 80er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts geführt hatte, endet am 8. März. Das Vertrauen der
Bevölkerung in die Regierungsarbeit war allerdings in den vergangenen
Monaten auf Tiefstwerte gesunken.
Bei der Stimmabgabe sagte der scheidende Präsident, für ihn sei die Stunde
des Ausruhens gekommen. Er habe keine Wehmut, bald die Regierungsgeschäfte
abgeben zu müssen. Vielmehr sei er stolz auf die Demokratie in Costa Rica,
wo keine Soldaten nötig seien, um die Wahlurnen zu beschützen. "Solche
Bilder haben wir nie gesehen und wir werden sie niemals in Costa Rica
sehen", sagte er.
Gewalt explodiert
Wichtigstes Thema des Wahlkampfes war die
zunehmende Gewalt in Costa Rica, wo im vergangenen Jahr fast 1.000 Menschen
ermordet worden sind. Meist standen die Gewalttaten im Zusammenhang mit dem
Drogenhandel, dabei ist Costa Rica ein Transitland auf dem Weg von Süd- nach
Nordamerika. 90 Tonnen Kokain sind in den vergangenen drei Jahren in dem
Land beschlagnahmt worden. Alle Kandidaten sprachen sich dafür aus, die
Kriminalität mit harter Hand zu bekämpfen und vor allem die Polizei zu
stärken. Über eine Armee verfügt das mittelamerikanische Land nicht.
In den vergangenen Wochen hatte Solís noch einmal versucht, den umstrittenen
Freihandelsvertrag Cafta mit den USA und Kanada in den Wahlkampf
einzubringen. Er werde als Präsident nachverhandeln, um die Nachteile
auszubessern, die das Abkommen für Costa Rica enthalte, versprach er, ohne
damit größeres Aufsehen zu erregen. Vor vier Jahren hatte das Thema die
Bevölkerung in Gegner und Befürworter gespalten. Arias ließ danach in einem
Referendum die Einwohner entscheiden, die dem Abkommen mit knapper Mehrheit
zustimmten.