06. Dezember 2009 18:24
Im Südosten der Türkei sind bei Protesten gegen die Haftbedingungen des
Kurdenführers Abdullah Öcalan mindestens ein Mensch getötet und mehrere
weitere verletzt worden. In Diyarbakir, der größten Stadt des hauptsächlich
von Kurden bewohnten Gebiets, gingen am Sonntag rund 15.000 Menschen auf die
Straße. Sie demonstrierten gegen die Haftbedingungen Öcalans, des Gründers
und Chefs der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), der seit mehr als
zehn Jahren im Gefängnis sitzt.
Als die Polizei dem Protestzug den Weg versperrte, warfen die Demonstranten
Steine und Feuerwerkskörper auf die Beamten. Die Sicherheitskräfte setzten
daraufhin Wasserwerfer und Tränengas ein. Bei den Zusammenstößen wurden nach
Angaben örtlicher Behörden ein 23-jähriger Demonstrant durch eine Kugel
getötet und mindestens zwei weitere Menschen verletzt, darunter ein
Polizist. Zudem gab es in dem Kurdengebiet 113 Festnahmen. Am Vortag waren
bei Protesten in der Region zudem fünf Polizisten leicht und ein Demonstrant
schwer verletzt worden.
Keine Einzelhaft mehr
Nach zehn Jahren Einzelhaft waren die
Haftbedingungen für Öcalan auf der Gefängnisinsel Imrali im November
geändert worden. Der Kurdenführer darf nun Kontakt zu anderen Häftlingen
haben. Öcalan hatte sich jedoch kürzlich beklagt, die Bedingungen in seiner
neuen Zelle seien "schlimmer als vorher". "Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich
diese Bedingungen aushalte, die aus mir einen halb-toten Mann gemacht
haben", wurde er von seinen Anwälten zitiert. Die türkische Regierung
versichert, dass Öcalans Haftbedingungen internationalen Standards
entsprächen. Am Freitag hatte das Außenministerium das Anti-Folter-Komitee
des Europarats (CPT) eingeladen, um sich vor Ort ein Bild von den
Haftbedingungen Öcalans zu machen.
Öcalan war nach längerer Flucht im Februar 1999 von türkischen Agenten in
Kenia festgenommen und nach Imrali gebracht worden. Ein Gericht verurteilte
ihn dort wenig später zum Tode; die Todesstrafe wurde später in lebenslange
Haft umgewandelt.