Deutsche Grüne wählen ersten Parteichef türkischer Herkunft

Historisch

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Deutsche Grüne wählen ersten Parteichef türkischer Herkunft

Der Bundesparteitag in Erfurt wählte den 42-jährigen Realpolitiker am Samstag mit 79,2 Prozent in die Doppelspitze mit Claudia Roth vom linken Parteiflügel. Roth erhielt 82,7 Prozent und damit ein deutlich besseres Ergebnis als vor zwei Jahren (66,5 Prozent). Die Delegierten bejubelten beide Vorsitzende für kämpferische Reden.

Grüne setzen auf Erneuerung
Özdemir sprach die Probleme der Grünen offen an. Ihre Ideen kämen bei den Menschen zum Teil nicht an, weil sie zu unverständlich präsentiert würden. Die Partei beschäftige sich zu oft mit sich selbst und zu wenig mit dem politischem Gegner. Dabei stünden die Grünen für den Politikwechsel nach der Bundestagswahl 2009. "Ich wünsche mir, dass wir drankommen, weil wir es besser können." Özdemir kündigte ein verstärktes Engagement für sozial Schwache an. Ferner will er die Urthemen der Grünen wieder auf die aktuelle Tagesordnung setzen. "Ich müsste Euch enttäuschen, wenn Ihr von mir erwartet, dass ich am Montag ein neues Grundsatzprogramm verkünde."

Im Bundestagswahljahr 2009 setzen die Grünen auf Erneuerung. Ihre Chancen auf eine Rückkehr an die Macht mit der SPD schätzten sie selbst aber eher gering ein. Die Sozialdemokratie habe ein "Burn-out-Syndrom", sagte Roth. Eine Koalitionsaussage halten die Grünen offen. Özdemir erhielt 617 Ja-, 107 Nein-Stimmen und 46 Enthaltungen. Der Europaabgeordnete folgt dem 55-jährigen Reinhard Bütikofer nach, der die Führung in jüngere Hände legen wollte und nun ins EU-Parlament strebt. Auf Roth entfielen 638 Ja- und 81 Nein-Stimmen und 52 Enthaltungen.

Roth sagte, das Wahljahr 2009 werde "verdammt hart und verdammt schwer". Sie rief den Delegierten zu: "Wir ducken uns nicht weg." Die Grünen stellten sich den Problemen, sagte die 53-Jährige, die - mit einer Unterbrechung - insgesamt mehr als fünf Jahre im Amt ist.

Hoffnung auf neue Wählerschichten
Von Özdemir erhofft sich die Partei neue Wähler unter Zuwanderern und jungen Menschen. Noch nie stand ein Politiker aus einer Zuwandererfamilie an der Spitze einer deutschen Partei.

Zum Abschluss des Parteitags sollen an diesem Sonntag die beiden Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl bestimmt werden. Die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, und ihr Stellvertreter Jürgen Trittin sind die einzigen Kandidaten.

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