Die Kandidaten in Slowenien

Präsidentenwahl

Die Kandidaten in Slowenien

Bei der Wahl des slowenischen Staatspräsidenten bewerben sich am 21. Oktober sieben Kandidaten für das Amt, davon zwei Frauen. Die Zahl der Kandidaten ist die niedrigste bisher. Die Meinungsumfragen geben nur drei Kandidaten Chancen, in die Stichwahl am 11. November zu kommen, bei der der dritte Staatschef des seit 1991 selbstständigen Sloweniens gewählt wird.

  • LOJZE PETERLE (59) ist einer der erfahrensten slowenischen Politiker. Vor der politischen Wende Ende der 80er Jahre gründete er die Christdemokratische Partei mit und gewann bei den ersten freien Parlamentswahlen in 1990 die meisten Stimmen. Er war der erste Regierungschef des selbstständigen Sloweniens (1990-92), nach seinem Sturz durch den jetzigen Präsidenten Janez Drnovsek einige Zeit Außenminister, musste aber sein Amt nach einem als "Landesverrat" kritisiertem Abkommen mit Italien zurücklegen. Als Oppositionspolitiker agierte er dann eher glücklos, im Jahr 2000 scheiterte die von ihm betriebene Fusion von Christdemokraten (SKD) und Slowenischer Volkspartei (SLS) nach nur wenigen Monaten. Peterle gründete mit seinen Gefolgsleuten die neue Gruppierung "Neues Slowenien" (NSi). Bei der Europawahl im Jahr 2004 gelang im ein sensationelles Comeback. Mit der NSi verdrängte er die bis dahin unangefochtenen Liberaldemokraten erstmals vom ersten Platz und läutete damit auch den Regierungswechsel bei der Parlamentswahl im Herbst 2004 ein. Der in der Öffentlichkeit vor allem als leidenschaftlicher Mundharmonika-Spieler bekannte Bienenzüchter wird von allen drei konservativen Regierungsparteien unterstützt. Peterle, der sich als der liberalste Katholik in der slowenischen Politik sieht, geben Meinungsumfragen derzeit zwischen 24 bis 30 Prozent der Stimmen, womit er bequem in die höchstwahrscheinliche Stichwahl kommen soll.
  • DANILO TÜRK (55) ist als Spitzendiplomat und Völkerrechtsprofessor ein politischer Quereinsteiger. 1992 wurde er erster slowenischer UNO-Botschafter und blieb bis 2000 auf diesem Posten. Im 2000 wurde er zum Stellvertreter des damaligen UNO-Generalsekretärs Kofi Annan für politische Angelegenheiten in Europa, Asien und Pazifik ernannt. Er trat 2005 zurück, als er nicht zum UNO-Untergeneralsekretär ernannt wurde. Türk gilt als das unbeschriebenste Blatt im Präsidentschaftsrennen. Er wird von den oppositionellen Sozialdemokraten (SD), der neuen sozial-liberalen Partei "Zares", sowie der mitregierenden Pensionistenpartei DeSUS unterstützt. Umfragen geben ihm zwölf bis 22 Prozent.
  • MITJA GASPARI (55) ist als früherer Notenbankgouverneur (2001-2007) und langjähriger Finanzminister (1992-2002) alles andere als ein Neuling in der slowenischen politischen Szene, galt aber bisher eher als Technokrat ohne politisches Profil. Seine Karriere begann 1975 in der damaligen slowenischen Filiale der jugoslawischen Zentralbank, wo er bis zum Zerfall von Ex-Jugoslawien blieb. 1992 wurde er Finanzminister in der Regierung von Janez Drnovsek. Im 2000 kam er als unabhängiger Kandidat auf der Liste der Liberaldemokraten (LDS) ins Parlament und wurde ein Jahr später zum Chef der slowenischen Zentralbank gewählt. Eine zweite Amtszeit blieb ihm 2007 angesichts des Widerstand der regierenden Koalition versagt, obwohl ihm im In- und Ausland große Verdienste um die Euro-Einführung in Slowenien Anfang 2007 bescheinigt wurden. Gaspari betont jedoch, dass er sich nicht als "Märtyrer" präsentieren will. Er wird von den nach Parteispaltungen massiv geschwächten Liberaldemokraten unterstützt. In den Umfragen kommt Gaspari auf eine Unterstützung von zwölf bis 16 Prozent.
  • ZMAGO JELINCIC (59) strebt nach 2002 bereits zum zweiten Mal das Präsidentenamt an. Wegen seiner nationalistischen und ausländerfeindlichen Ansichten gilt der Chef der oppositionellen Slowenischen Nationalpartei (SNS) als "Sloweniens Le Pen". Die Vergangenheit des provokativen Politikers ist mit zahlreichen kriminellen und halb-kriminellen Geschichten bestückt, er war aber auch Balletttänzer an der Oper und ist ein anerkannter Numismatiker. Jelincic schmückt sich mit einem Adelstitel ("Edler"), den seine Familie 1756 von Erzherzogin Maria Theresia verliehen bekommen haben soll. Bei der Präsidentenwahl im 2002 hatte Jelincic fast neun Prozent der Stimmen erhalten, auch heuer geben ihm die Meinungsumfragen mehr als zehn Prozent.
  • ELENA PECARIC (36), selbst Vollinvalide, ist als Aktivistin für Behindertenrechte bekannt. Als Vorsitzende des Vereins YHD - "Verein für Theorie und Kultur des Handikaps" setzt sich die Philosophin und Soziologin für mehr Selbstständigkeit der Behinderten ein. Mit ihrer Kandidatur will Pecaric die Öffentlichkeit mit der Andersartigkeit konfrontieren. Sie kandidiert mit Unterstützung von der außerparlamentarischen Partei Akacije und drei Abgeordneten. Obwohl Beobachter ihre guten Auftritte loben, liegt Pecaric in den Umfragen unter einem Prozent.
  • DARKO KRANJC (32) ist Vorsitzender der mit den Europäischen Grünen verbündeten Slowenischen Jugendpartei (SMS) und jüngster Bewerber um das slowenische Präsidentenamt. Der Sozialarbeiter begann seine politische Karriere als Student im Laibacher Studentenparlament und in der Studentenorganisation. Seit 2004 Vorsitzender der SMS, trat er damals erfolglos bei der Parlamentswahl an, im vergangenen Jahr bewarb er sich bei der Bürgermeisterwahl im untersteirischen Sentilj. Der junge Politiker, der in den Fernsehdebatten gut abschneidet, setzt die Probleme der den jungen Slowenen hervor, doch gerade von den Wählen unter 30 Jahren bekommt er am wenigsten Unterstützung. Er liegt knapp über einem Prozent in den Umfragen.
  • MONIKA PIBERL (57) kam im Jahr 1998 zufällig in die Politik, weil sie ihre Ansichten zum damals verkündeten späteren Pensionsalter für Frauen präsentieren wollte. In 2000 gründete die pensionierte kaufmännische Angestellte die außerparlamentarische Partei "Stimme der Frauen Sloweniens". Sie stellt sich als "politisch unbelastete Parteikandidatin" vor und schaffte es nur mit Mühe und auf den letzten Drücker, die nötigen 3.000 Unterstützungsunterschriften für ihre Kandidatur zusammenzubringen. Sie kommt in den Umfragen nicht über 1 Prozent.
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