28. Jänner 2010 11:07
Mit mehr afghanischen Sicherheitskräften und einem Aussteigerprogramm für
die Taliban soll der langfristige Abzug der internationalen Truppen vom
Hindukusch eingeläutet werden. Bereits in diesem Jahr werde die Kontrolle
"Bezirk nach Bezirk" an die afghanischen Soldaten und Polizisten übergeben,
sagte der britische Premierminister Gordon Brown bei der
Afghanistan-Konferenz am Donnerstag in London. Er kündigte einen Fonds zur
Eingliederung gemäßigter Taliban-Kämpfer an. Der afghanische Präsident Hamid
Karzai machte in London deutlich, dass sein Land noch jahrelang auf
ausländische Truppen und Finanzhilfe angewiesen sein wird.
Aussteigerprogramm für Taliban
Brown würdigte auch
Deutschlands Pläne, die Truppen aufzustocken und mehr Geld in die
Entwicklungshilfe zu stecken. Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle
sah Rückendeckung der Verbündeten für die Afghanistan-Strategie der
deutschen Regierung und warb für das Taliban-Aussteigerprogramm. "Wir
wollen, dass junge Männer, die oft genug für 200 Dollar zu Kämpfern geworden
sind, zurückkehren in ihre Dörfer." Die deutsche Regierung will das
"Reintegrationsprogramm" mit 50 Millionen Euro pro Jahr unterstützen.
Der Einsatz der internationalen Truppen sei "entscheidend für die
Sicherheit in der Welt", sagte Gastgeber Brown. Auf der eintägigen Konferenz
in London könne der Grundstein gelegt werden, dass die ausländischen Truppen
"nach Hause" kommen. "Es wird Zeit brauchen, aber schneller gehen, als
manche erwarten." Karzai hatte dagegen vor der Konferenz betont, dass sein
Land noch bis zu 15 Jahre lang Hilfe bei Ausbildung und Finanzierung aus dem
Ausland brauche.
Karzai versprach, den Kampf gegen die Korruption zu einer
"Schlüsselaufgabe" seiner jetzigen Amtszeit zu machen. Zugleich kündigte er
neue Anstrengungen zur nationalen Aussöhnung mit den Taliban an. Unter
anderem solle dazu ein "Nationaler Rat für Frieden und Versöhnung"
geschaffen werden.
Mehr Polizei und mehr Armee
Brown zeigte sich überzeugt, dass
sich die Konferenz auf eine Aufstockung der afghanischen Polizei- und
Armeekräfte verständigen werde. Bis Oktober 2011 werde die Zahl der
Sicherheitskräfte aus dem eigenen Land bei über 300.000 liegen - 171.000
Soldaten und 134.000 Polizisten. Dafür seien aber mehr internationale
Ausbilder nötig.
Gleichzeitig wandte sich Brown mit einer Kampfansage an das
Terrornetzwerk Al-Kaida: "Wir werden Euch besiegen, nicht nur auf den
Schlachtfeldern, sondern auch in den Herzen und Köpfen."