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Die Welt erkennt Kosovo an - Hintergründe

Kosovo

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Die Welt erkennt Kosovo an - Hintergründe

Die Situation war einmal mehr grotesk und doch symptomatisch. In Athen drohte Serbiens Außenminister Vuk Jeremic am Mittwoch den Nachbarländern mit einer Verschlechterung der Beziehungen, sollten sie das Kosovo anerkennen. Noch am gleichen Tag kündigten Kroatien, Ungarn und Bulgarien die diplomatische Anerkennung der früheren serbischen Provinz an.

Einen Monat nach der Unabhängigkeitserklärung haben damit nicht weniger als 33 Staaten offizielle Beziehungen mit dem Kosovo aufgenommen, doch serbische Politiker feiern weiter einen vermeintlichen Sieg. Schließlich habe man mit weit über 50 Staaten gerechnet, heißt die zweifelhafte Begründung für den vorgeblichen diplomatischen Erfolg Belgrads.

Falsche Einschätzung auch der Nachbarn
Dabei war sich Serbien bei den drei Nachbarn besonders sicher, dass sie wegen des traditionell engen und doch problematischen Verhältnisses zu Belgrad mit der Anerkennung warten würden. Nach dem Bürgerkrieg (1991-1995) hatte sich die vergiftete Atmosphäre zwischen Kroatien und Serbien in den vergangenen Jahren gerade mal wieder langsam erholt. Zagreb werde sich nicht trauen, dieses zarte Pflänzchen durch die Anerkennung zu zerstören, wurde spekuliert. Zumal die Regierung von Ivo Sanader auf die Abgeordneten der serbischen Minderheit angewiesen ist, um ihre Parlamentsmehrheit abzusichern. Auch zu Budapest gibt es besonders enge Beziehungen wegen der ungarischen Minderheit in der serbischen Provinz Vojvodina.

Während serbische Zeitungen jeden Tag neu ihren Lesern erklären, die Belgrader Diplomatie habe eine Anerkennungswelle verhindern können, bauen Politiker schon Drohkulissen auf. Milorad Mircic berichtete von geplanten Übergriffen auf die ungarische Minderheit in der Vojvodina durch Serben im Falle einer Kosovo-Anerkennung. Mircic ist immerhin Vize-Parteichef der extrem nationalistischen Radikalen, die mit einem Drittel der Stimmen die mit Abstand stärkste Kraft im Land sind und wahrscheinlich die nächste Regierung stellen werden.

Drohungen gegen Nachbarstaaten
Kein Geringerer als Serbiens Staatsoberhaupt Boris Tadic hat in dieser Woche unverblümt Kroatien gedroht. Die vielen "offenen Probleme" zwischen den beiden Nachbarn würden durch die Anerkennung negative Folgen für Zagreb haben. Jedoch sitzt bei all diesen Problemen Kroatien am deutlich längeren Hebel. Es geht dabei zum Beispiel um Entschädigungen von Serben für ihre Immobilien an der Adriaküste oder um die Rückkehr der im Krieg vertriebenen Serben nach Kroatien.

Jetzt kommt in den Medien wieder der Vorschlag zum Boykott aller Waren und Firmen aus Kroatien zur Sprache. Doch ein solcher versuchter Boykott war schon vor Wochen bei der Kosovo-Anerkennung durch Slowenien nicht erfolgreich. Weniger nationalistisch gesinnte Serben verweisen auf ein historisches Beispiel: Ende 1989 hatte Serbien schon einmal im Zusammenhang mit dem Streit um das Kosovo zum Boykott slowenischer Waren aufgerufen. Die Folgen sind bekannt: Das war der Anfang vom Ende Jugoslawiens.

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