Dutzende Mönche demonstrieren in Lhasa

Trotz Verbotes

Dutzende Mönche demonstrieren in Lhasa

Während eines streng bewachten Besuchs ausländischer Journalisten in Tibet haben zahlreiche Mönche es gewagt, gegen China zu protestieren und ihre Unterstützung für den Dalai Lama zu bekunden. Nach Angaben mehrerer Medien unterbrachen die Mönche am Donnerstag im Jokhang-Tempel in der tibetischen Hauptstadt Lhasa einen chinesischen Offiziellen mit "Lügner"-Rufen, als er gerade die Sicht Pekings zu den blutigen Unruhen vortrug. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums warnte die Europäische Union davor, "falsche Signale" an Anhänger des Dalai Lama zu senden.

26 Journalisten eingeladen
Den Angaben eines anwesenden Journalisten zufolge riefen 50 bis 60 Mönche: "Wir wollen die Freiheit, wir wollen den Dalai Lama!". Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete von etwa 30 Demonstranten. 26 ausgewählte Journalisten waren zwei Wochen nach den schweren Unruhen in Lhasa zu einem Besuch eingeladen worden. China war international kritisiert worden, weil es ausländische Journalisten aus der Krisenregion ausgewiesen hatte.

Die Delegation traf am Mittwoch zu einem dreitägigen Aufenthalt in Lhasa ein. Die meisten Tibeter seien zu ängstlich, um Auskünfte zu erteilen, berichtete ein Reporter der "Financial Times" aus Lhasa. Ein Lehrer habe jedoch gesagt "Bitte, helft uns!". In Lhasa sei noch immer Brandgeruch wahrzunehmen. Bewacher folgten demnach den Journalisten und befragten Tibeter, die sich mit den Korrespondenten unterhielten.

Die chinesische Regierung warnte die Europäische Union davor, "falsche Signale" an Anhänger des Dalai Lama, des geistlichen Oberhaupts der Tibeter, zu senden. Die Geschehnisse in Tibet seien "eine vollkommen interne Angelegenheit Chinas, und wir akzeptieren keinerlei fremde Einmischung", sagte Außenamtssprecher Qin Gang bei einer Pressekonferenz in Peking.

"Ich denke, es gibt Verbrecher, insbesondere gewalttätige Verbrecher, in den europäischen Ländern", sagte Qin zur Niederschlagung der Unruhen in Lhasa nach den antichinesischen Protesten am 14. März. "Wie gehen Polizisten mit diesen Fällen in Europa um? Man kann sich das denken, und ich hoffe also, dass Europa in dieser Hinsicht keine Doppelmoral hat." Die EU-Außenminister wollen sich am Wochenende bei ihrem Treffen in Slowenien mit der Tibet-Frage befassen.

135 Tote - Peking spricht von 20 Toten
Die anti-chinesischen Proteste in Tibet hatten am 10. März begonnen und waren vier Tage später eskaliert. Dabei wurden nach Angaben der tibetischen Exilregierung mindestens 135 Menschen getötet. Die chinesische Regierung spricht von rund 20 Toten.

Der polnische Regierungschef Donald Tusk kündigte an, er werde der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking fernbleiben. Die Anwesenheit von Politikern bei dieser Veranstaltung erscheine ihm "unangemessen", sagte Tusk der polnischen Tageszeitung "Dziennik". Am Mittwoch hatte der tschechische Präsident Vaclav Klaus eine ähnliche Entscheidung bekanntgegeben.

Bush zeigt sich besorgt über die Lage in Tibet
US-Präsident George W. Bush äußerte sich in einem Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao besorgt über die Lage in Tibet. Der Präsident habe die Führung in Peking aufgefordert, in einen "substanziellen Dialog" mit dem Dalai Lama einzutreten, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des Weißen Hauses. Hu wiederholte laut einer Erklärung des chinesischen Außenministeriums den Vorwurf, der Dalai Lama sei für die Proteste verantwortlich und wolle die Olympischen Spiele in Peking sabotieren.

Ein Vertreter des Religionsführers forderte, Journalisten in Tibet volle Bewegungsfreiheit zu geben. Die Reporter sollten die Klöster besuchen dürfen und sehen, "wie die Mönche leben und behandelt werden", sagte Lhakpa Tshoko in Tokio. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge in Tibet.

Zu der von den Behörden zusammengestellten Delegation ausländischer Journalisten gehörten Mitarbeiter des "Wall Street Journal", der "Financial Times", des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera und der Nachrichtenagentur AP. Mehrere andere wichtige Medien wurden nach chinesischen Angaben wegen logistischer Probleme nicht zugelassen.

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