EU verbietet Handel mit Robben-Produkten

Ab 2010

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EU verbietet Handel mit Robben-Produkten

Der Handel mit Robbenprodukten wird in der EU ab 2010 verboten. Das Europaparlament hat am Dienstag in Straßburg mit großer Mehrheit (550 von 640 Stimmen) für ein entsprechendes europaweites Einfuhr- und Handelsverbot gestimmt. Nach der Entscheidung der EU-Regierungen kann der Bann im kommenden Jahr in Kraft treten. Ausnahmen sollen für Inuit gelten, die Robben nicht kommerziell jagen. Die arktischen Ureinwohner sollen die Tierprodukte weiterhin verkaufen dürfen.

250.000 Jungrobben werden gerettet
Dieser Beschluss werde in Kanada in diesem Jahr etwa 250.000 Jungrobben das Leben retten, betonte Rebecca Aldworth von der kanadischen Tierschutzgesellschaft Humane Society International. In Erwartung eines Handelsverbots seien seit Beginn der Robbenjagdsaison im März erst etwa 60.000 Robben getötet worden. Bis zum 15. Mai dürfen in Kanada Robben für kommerzielle Zwecke gejagt werden, wobei Tierschützer seit Jahren die grausamen Tötungsmethoden anprangern. Die Meeresbewohner werden mit einem Metallhaken über das Eis gezogen, häufig wird ihnen der Schädel eingeschlagen und zum Teil bei lebendigem Leib das Fell abgezogen.

Auch in Grönland und Namibia werden die Tiere gejagt, insgesamt sterben pro Jahr nach EU-Schätzungen etwa 900.000 Robben. Kanadische Robbenfellimporte in die EU erreichen pro Jahr etwa 4,2 Millionen Euro, wobei 2006 die zwei wichtigsten Importländer Dänemark und Italien waren. Verwendet werden die Felle für die Herstellung von Pelzen, Mänteln und Mützen.

ÖVP zufrieden
Zufrieden mit dem Ergebnis zeigten sich ÖVP-Europa-Abgeordneter Richard Seeber und ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas. Man habe sich mit aller Kraft gegen die grausame Jagd eingesetzt, der jetzige Beschluss sei ein Zeichen gegen unnötiges Tierleid und liege voll auf der österreichischen Linie. "Der Nationalrat hat sich einstimmig für ein komplettes Handelsverbot für Robbenprodukte ausgesprochen", so Karas. "Das gleiche haben wir heute erfolgreich im Europaparlament durchgesetzt."

Grüne begrüßen Handelsverbot
Als großen Erfolg und längst überfälligen Schritt wertete das künftige Handelsverbot auch die Abgeordnete der Grünen im Europaparlament, Eva Lichtenberger. Die kommerzielle Jagd werde dadurch endlich auf effektive Weise begrenzt, betonte sie. Die Grünen hätten verhindert, dass ein Schlupfloch für 'tierschutzkonforme Methoden' bei der Jagd im Gesetz geschaffen werde. Der Rat habe allerdings darauf bestanden, "zur Sicherung der Fischbestände" das Töten in kleinen Mengen zu erlauben. Diese Argumentation sei angesichts des natürlichen Gleichgewichts seit Jahrmillionen nicht überzeugend, so Lichtenberger.

Lobende Worte gab es auch vom SPÖ-Europa-Abgeordneten Jörg Leichtfried: "Endlich haben wir eine EU-weite Regelung, die über unsere Grenzen hinaus dem Tierschutz Vorschub leistet." Die beiden Ausnahmen - für Importe in Einzelfällen für den persönlichen Gebrauch oder Nebenprodukte streng regulierter Jagd nach Maßgabe der nachhaltigen Meeresressourcen - hätte man gerne gestrichen. Leider hätte eine "konservative Mehrheit" dafür gestimmt.

Keine Freunde mit dem Beschluss haben kanadische Unternehmer: Der Geschäftsführer des Kanadischen Pelzinstitutes in Ottawa, Rob Cahill, kritisierte am Dienstag nach der Entscheidung in Straßburg, dass die meisten Inuit neben dem Erlös vom Robbenfang "kaum ein anderes Einkommen haben".

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