Ehemaliger US-Präsident Ford beigesetzt

Begräbnis

© (c) AFP/David Hume Kennerly

Ehemaliger US-Präsident Ford beigesetzt

Nach sechstägiger Staatstrauer ist der frühere US-Präsident Gerald Ford am Mittwoch in seinem Heimatort Grand Rapids (Bundesstaat Michigan) im Familien- und Freundeskreis beigesetzt worden. Zuvor waren dort rund 60.000 Menschen am Sarg des 38. Präsidenten der USA vorbeigezogen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Nach 21 Schuss Salut wurde Ford in einer Gruft auf einem Hügel neben dem nach ihm benannten Museum in Grand Rapids beerdigt. Er war am Dienstag vergangener Woche im Alter von 93 Jahren gestorben.

Zwei von Fords Kindern unterstützten Ehefrau Betty, die in ihrem Stuhl während der Beerdigung einen Schwächeanfall erlitt, als eine Formation von 21 Kampfjets über die Trauernden flog. Vizepräsident Dick Cheney überreichte der 88-jährigen Witwe die Flagge, die auf Fords Sarg gelegen war.

In einer Trauerrede unmittelbar vor der Beisetzung würdigte Ex-Präsident Jimmy Carter den Verstorbenen. "Ich danke meinem Vorgänger für alles, was er tat, um die Wunden des Landes zu heilen." Als Beispiele nannte Carter die Verbesserungen der Beziehungen zu China und den Friedensprozess zwischen Ägypten und Israel. Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der schon unter Ford dieses Amt innehatte, nannte ihn einen "Patrioten, der wusste, dass Freiheit wertvoll ist".

Bei einem Staatsakt in Washington hatte US-Präsident George W. Bush den Verstorbenen am Dienstag als Mann "mit Charakter, Mut und Bescheidenheit" gewürdigt. Tausende Bürger hatten bereits in der US-Hauptstadt die Gelegenheit genutzt, von Ford Abschied zu nehmen. Der Andrang im Kapitol war aber deutlich geringer als vor zweieinhalb Jahren bei der Aufbahrung des früheren Präsidenten Ronald Reagan.

Ford war am vergangenen Dienstag in seinem Haus im kalifornischen Rancho Mirage gestorben. Er war von 1974 bis 1976 Präsident der Vereinigten Staaten gewesen. Es gelang ihm als einzigem Politiker in der Geschichte der USA, sowohl das Amt des Vizepräsidenten als auch jenes des Präsidenten einzunehmen, ohne gewählt zu werden. Im November 1973 wurde er von Präsident Richard Nixon zum Nachfolger des zurückgetretenen Vizepräsidenten Spiro Agnew ernannt. Nach dem Rücktritt Nixons wegen des Watergate-Skandals rückte Ford dann automatisch als Vize ins Amt des Präsidenten auf. Bei den Präsidentschaftswahlen zwei Jahre später unterlag der Republikaner dem demokratischen Gegenkandidaten Jimmy Carter.

Als Fords umstrittenste Entscheidung gilt, dass er Nixon eine Amnestie für alle Straftaten gewährte, die dieser begangen haben könnte. Er müsse einen Schlussstrich ziehen, um dem Land weitere schmerzhafte Debatten zu ersparen, sagte er damals zur Begründung. Eine komplette juristische Aufarbeitung der Affäre wurde dadurch unmöglich. Ford war auch im Weißen Haus, als die letzten US-Soldaten Vietnam verließen.

Vielen Österreichern ist Ford wegen seines spektakulären Ausrutschers bei einem Besuch Anfang Juni 1975 in Salzburg in Erinnerung. Beim Aussteigen aus der US-Präsidentenmaschine stürzte er die Gangway hinunter. Im Beisein von Bundeskanzler Bruno Kreisky traf Ford damals mit Ägyptens Staatschef Anwar Sadat zusammen. Weniger als vier Jahre nach den Salzburger Nahost-Bemühungen Fords kam es unter seinem Nachfolger Carter zum israelisch-ägyptischen Separatfrieden von Camp David.

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