Eine Tote bei Explosion in Sarkozys Ex-Kanzlei

Frankreich

Eine Tote bei Explosion in Sarkozys Ex-Kanzlei

Der Anwalt Olivier Brane wurde schwer verletzt, wie das Innenministerium mitteilte. Vier Menschen erlitten leichte Verletzungen, zehn weitere einen Schock. Es gebe keinerlei Verbindungen zu Sarkozy, sagte die Staatsanwaltschaft. Was die Hintergründe des Anschlags im achten Arrondissement der Hauptstadt betrifft, tappen die Ermittler noch im Dunkeln. Der letzte tödliche Anschlag in Paris liegt elf Jahre zurück.

Kanzlei in anderem Stockwerk als Sarkozys
Das Paket war laut Ermittlern nicht an die zu einem Drittel Sarkozy gehörende Anwaltskanzlei "Arnaud Claude und Partner" adressiert, sondern an eine andere Kanzlei mit Sitz im selben Haus. Bei der Toten und dem schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzten Anwalt handelt es sich um Mitarbeiter der auf Scheidungen sowie Versicherungs- und Immobilienfragen spezialisierten Kanzlei "Gouet-Jenselme". Der Name Brane sei als Empfänger auf dem Paket gestanden, so die Polizei.

Sprengsätze in Holzkiste
Zwei Sprengsätze seien in einer Holzkiste zugestellt worden und kurz vor ein Uhr MEZ explodiert, als das Paket geöffnet wurde. Der Zusteller habe einen Helm getragen und sei nicht identifiziert worden, erklärte der zuständige Staatsanwalt Jean-Claude Marin. Berichte von einer zweiten, entschärften Paketbombe erwiesen sich demnach als unrichtig.

"Jemand kam ins Büro und gab ein Paket ab. Die Sekretärin öffnete es, der Sprengsatz explodierte und tötete sie", berichtete der künftige Vorsitzender der Pariser Anwaltskammer, Christian Charriere-Bournazel. Die Kanzlei Sarkozys liegt ihm zufolge anders als die betroffene Kanzlei nicht im vierten Stock des Gebäudes auf dem Boulevard des Malesherbes, sondern im ersten Stock.

Gründe der Tat noch nicht bekannt
Über die Hintergründe der Tat konnte indes auch Charriere-Bournazel nur spekulieren: "Wir kennen die Gründe für den Anschlag nicht. Wir wissen nur, dass die Kanzlei von Herrn Brane im vierten Stock liegt und die gegenüberliegende Tür jene der Shoah Stiftung ist." Der französische Nazi-Jäger Serge Klarsfeld sagte, er glaube nicht, dass der Anschlag der im Haus beheimateten Stiftung zum Gedenken an den Holocaust gegolten habe. "Es gab nie eine Drohung."

Berichte, wonach einer der Anwälte der betroffenen Kanzlei an dem Prozess gegen den Nationalisten Yvan Colonna beteiligt sei, der derzeit wegen Mordes an dem Präfekten von Korsika vor Gericht steht, wies der Staatsanwalt zurück. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe betonte, das Motiv des Anschlags sei noch unklar. Er sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid aus.

Elf Jahre lang kein tödliche Anschlag
Der letzte tödliche Anschlag in Paris liegt fast genau elf Jahre zurück. Zielscheibe war damals die S-Bahn-Station Port-Royal im fünften Pariser Bezirk. Vier Menschen kamen ums Leben, rund 170 wurden verletzt. Die Hintergründe der Tat wurden nie aufgeklärt.

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