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Eisenbahner setzen Streik übers Wochenende fort

Frankreich

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Eisenbahner setzen Streik übers Wochenende fort

In Frankreich haben die Eisenbahner ihren Streik über das Wochenende fortgesetzt. Die Staatsbahn SNCF und die Pariser Verkehrsbetriebe meldeten am Samstag weiter starke Störungen des Verkehrs. Der Großteil der noch streikenden Gewerkschaften lehnte am vierten Streiktag umgehend ein Angebot der SNCF ab, Gespräche über die von Präsident Nicolas Sarkozy geplante Abschaffung der Rentensonderregelungen in Staatsbetrieben aufzunehmen. Laut der Gewerkschaft Force Ouvrière stimmten drei Viertel der Betriebsversammlungen bei der Bahn für eine Fortsetzung des Streiks bis Montag.

Dienstag streiken Lehrer und Beamte
Damit könnte der Bahnstreik in den Protesttag der Lehrer und Beamten am Dienstag münden. Sie wollen gegen Sarkozys Pläne streiken, pro Jahr Zehntausende Stellen im Öffentlichen Dienst zu streichen. Der Aufruf der Gewerkschaft CFDT vom Freitag, den Bahnstreik auszusetzen, blieb ohne sichtbare Auswirkungen. Sie ist die viertstärkste Gewerkschaft bei der Bahn. Der Streik wird nun noch von sechs Gewerkschaften getragen.

Verkehrs-Chaos in Paris
In Paris besserte sich die Lage im Nahverkehr damit am Samstag nicht: Nur 20 Prozent aller U-Bahnen und 40 Prozent der Busse verkehrten. Laut SNCF sollten am Samstag 180 von normalerweise 500 TGV-Hochgeschwindigkeitszügen fahren, am Sonntag dann 250. Die Eurostar-Züge nach London und die Thalys-Verbindungen unter anderem nach Köln sollten normal verkehren. Im französischen Regionalverkehr waren laut SNCF 40 Prozent der fahrplanmäßigen Verbindungen sichergestellt.

Bedingungen für Aussetzung erfüllt
Der Chef der Gewerkschaft CFDT, der viertgrößten Arbeitnehmervertretung bei der Staatsbahn, sagte im Fernsehen, die Bedingungen für eine Aussetzung des Streiks seien erfüllt.

Streik so schnell wie möglich beenden
Präsident Nicolas Sarkozy ließ über einen Sprecher mitteilen, der Streik müsse so schnell wie möglich beendet werden, "da die Bedingungen für Verhandlungen nach Unternehmen und Branchen" erfüllt seien. Die Streikenden protestieren gegen eine geplante Pensionsreform.

Am Donnerstag geht es weiter
Eine Aussetzung des unbefristeten Streiks noch am Donnerstag schien allerdings unwahrscheinlich. Die sechs größten Bahngewerkschaften teilten am Mittwochabend in einer gemeinsamen Erklärung mit, die Streiks sollten am Donnerstag für weitere 24 Stunden fortgesetzt werden. Die Gewerkschaften der staatlichen Verkehrsbetriebe und Energiekonzerne hatten am Mittwoch aus Protest gegen die Rentenreform, die die Beitragszeiten bei den Staatsbetrieben denen in anderen Branchen angleichen soll, die Arbeit niedergelegt und das Land ins Verkehrschaos gestürzt.

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m Berufsverkehr am Mittwoch bildeten sich in ganz Frankreich Hunderte Kilometer Stau. Von rund 700 Hochgeschwindigkeitszügen sollten laut Staatsbahn SNCF nur 90 fahren, bei den Pariser Verkehrsbetrieben verkehrte durchschnittlich nur jede fünfte U-Bahn. In Paris sammelten Streikgegner Unterschriften gegen den Ausstand, der sich gegen die von Sarkozy geplante Abschaffung der Frührente in Staatsbetrieben richtet. Arbeitsminister Xavier Bertrand sprach am Vormittag erneut mit den Gewerkschaften.

Zweihundert Kilometer Stau im Großraum Paris
Allein im Großraum Paris bildeten sich fast zweihundert Kilometer Stau, wie das französische Verkehrsinformationszentrum (CNIR) mitteilte. Die Eisenbahner streikten seit Dienstagabend. Am Mittwoch schlossen sich viele Beschäftigte der Pariser Verkehrsbetriebe dem unbefristeten Ausstand an. Zwei U-Bahnlinien in der Hauptstadt wurden ganz eingestellt, von den Bussen fuhren nur 15 Prozent. Viele Berufstätige bildeten Fahrgemeinschaften oder fuhren mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Bewegung gegen Streik kommt auf
In Paris bildete sich eine Bewegung gegen den Ausstand. Die Gruppierung "Stoppt den Streik" beklebte Leihfahrräder mit Protestbotschaften und sammelte im Internet Unterschriften gegen den Streik. Auch bei den Energiekonzernen EDF und GDF legte ein Teil der Beschäftigten die Arbeit nieder. In Südwestfrankreich stellten EDF-Mitarbeiter am Dienstagabend in mehreren Städten den Strom für öffentliche Gebäude ab. Privatleute und Unternehmen waren nicht betroffen. Laut EDF beteiligten sich zunächst 28 Prozent der Beschäftigten an dem Streik.

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