Erdogan erntet heftige Kritik

Assimilation

Erdogan erntet heftige Kritik

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist mit seiner Warnung vor einer kulturellen Angleichung der in Deutschland lebenden Türken auf breite Kritik gestoßen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) meldete Zweifel an Erdogans Verständnis von Integration an. Unterdessen gaben die Ermittler an, dass der Ludwigshafener Großbrand mit neun Toten offenbar im Keller des betroffenen Gebäudes ausbrach. Die Opfer der Katastrophe wurden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in ihrer türkischen Heimat beigesetzt.

"Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit"
Erdogan hatte am Sonntag auf einer Kundgebung in Köln gesagt: "Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit." Dies könne niemand von den im Ausland lebenden Türken verlangen. Merkel sagte dazu in Hamburg, das dauerhafte Leben in einem Lande bringe eine verstärkte Annahme der Gewohnheiten dieses Landes mit sich. Integration setze die Bereitschaft voraus, "sich in die Lebensweise eines bestimmten Landes, in dem ich in der vierten, fünften, sechsten Generation lebe, auch hineinzufinden". Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sprach von nationalistischen und unerfreulichen Tönen.

SPD kontert
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sagte, Integration bei Beibehaltung der eigenen Kultur sei durchaus die richtige Antwort und kein Verstoß gegen die Menschenwürde. Integration bedeute nicht, dass türkische Mitbürger ihre kulturelle und religiöse Identität aufgeben sollten, sagte er in Berlin. Nicht einverstanden sei er aber mit der Äußerung Erdogans zur Assimilation. Beckstein sprach in N24 von Tendenzen zur Ghettobildung mit Unterstützung der türkischen Regierung: "Da müssen wir noch einmal sehr offen und ernst mit der türkischen Regierung reden."

Ablehnung gegen türkische Schulen und Universitäten
Auch mit seinem Vorstoß nach türkischsprachigen Schulen und Universitäten in Deutschland stößt Erdogan weiter auf Ablehnung. Merkel sagte, sie habe keine Einwände gegen deutsch-türkische Gymnasien und Türkisch als Fremdsprache. Doch habe sie Vorbehalte, "dass türkische Lehrer jetzt nach Deutschland kommen, um mit den hier lebenden türkischstämmigen jungen Leuten Unterricht zu machen".

Deutschlands Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Anne Will": "Dass die Menschen, die auf Dauer hier leben, zunächst einmal Deutsch sprechen müssen, daran kann nicht gerüttelt werden." Sonst hätten sie im deutschen Bildungssystem und am deutschen Arbeitsmarkt keine Chance. Gegen einen zusätzlichen Türkischunterricht, auch mit türkischen Lehrern, sei allerdings nichts einzuwenden: "Am besten wäre es, die Kinder wachsen zweisprachig auf."

Auch Türken für Erlernen der Deutschen Sprache
Auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sagte in der Sendung: "Es gibt keine Diskussion, dass die Kinder, die hier aufwachsen, Deutsch sprechen müssen."

Brandursache immer noch unklar
Die Ursache der Brandkatastrophe von Ludwigshafen war unterdessen immer noch unklar, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig, am Montag bekanntgab. Die Sachverständigen gingen derzeit aber davon aus, dass das Feuer im Keller des Mehrfamilienhauses ausbrach. Weder eine Brandstiftung noch ein technischer Defekt könnten dabei ausgeschlossen werden.

Rund 2.000 Trauernde versammelten sich am Montag in der Stadt Gaziantep im Südosten der Türkei, um den Toten das letzte Geleit zu geben. Die neun Särge, die am Sonntag aus Deutschland ausgeflogen worden waren, waren bei der Zeremonie in die türkische Flagge gehüllt und mit Rosen übersät. Die Mutter eines der Opfer hatte zuvor erklärt, das Feuer sei vermutlich auf Brandstiftung aus fremdenfeindlichen Motiven zurückzuführen. "Es hat Feindseligkeiten gegen uns Türken gegeben, aber die deutschen Behörden haben das nicht ernst genommen", sagte Karanfil Calar.

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