Ex-Geiseln werfen Betancourt

Harte Kritik

Ex-Geiseln werfen Betancourt "Arroganz und Egoismus" vor

Die im vergangenen Juli nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft bei den kolumbianischen FARC-Rebellen befreite ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt ist von früheren Leidensgenossen scharf angegriffen worden. Während die 47-Jährige außerhalb Kolumbiens bisher wie eine Heldin gefeiert wurde, werfen ihr die drei Amerikaner Marc Gonsalves, Keith Stansell und Tom Howes in ihrem vor kurzem veröffentlichten Buch "Out of Captivity" (Aus der Gefangenschaft) "Arroganz" und "Egoismus" vor, berichtete die New York Times am Freitag.

Marc Gonsalves, Keith Stansell und Tom Howes; Foto: (c) AP

Geltungssüchtige Person?
In dem Buch mit 457 Seiten beschreiben sie Betancourt als eine geltungssüchtige Person, die sich ständig in den Vordergrund spielte, anderen ihre Regeln aufdrängen wollte und Kleidung sowie Schreibmaterial anderer Geiseln gehamstert habe. Sogar über die Farbe ihrer - hellblauen - Matratze habe sie sich beschwert. Auch habe sie keine Informationen weitergegeben, die sie aus einem versteckten Transistorradio hatte. Nach Angaben der Zeitung waren weder Betancourt noch ihre Familienangehörigen für eine Reaktion auf das Buch zu erreichen.

Amerikaner als CIA-Agenten angeschwärzt
Den wohl schwersten Vorwurf erhob Stansell. Betancourt habe die drei Amerikaner, die nach dem Absturz ihres Flugzeugs 2003 in die Gewalt der marxistischen Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) geraten waren, bei den Bewachern als "CIA-Agenten" angeschwärzt. Vielleicht hätten sie auch einen "Chip" im Körper, der eine Ortung durch die Sicherheitskräfte erleichtern würde, habe sie behauptet. "Sie hätten uns umbringen können, nur weil Ingrid mehr Platz für sich selbst beanspruchte", wird Stansell zitiert.

Seit Betancourt und insgesamt 14 weitere Geiseln, darunter auch die drei Amerikaner, am 2. Juli 2008 durch ein Täuschungsmanöver der Streitkräfte befreit wurden, hatte es immer wieder Gerüchte und Andeutungen in Büchern anderer Geiseln über Konflikte und Liebesbeziehungen unter FARC-Geiseln gegeben. So offen und hart aber war Betancourt, die nach einem Bericht vom Dezember zurzeit selbst ihre Erinnerungen niederschreibt, bisher nie kritisiert worden.

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