Ex-Präsident Fujimori ausgeliefert

Peru

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Ex-Präsident Fujimori ausgeliefert

Dort drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft wegen Menschenrechtsverbrechen und Korruption. Der 69-Jährige war am Morgen per Hubschrauber aus seinem Hausarrest in Santiago zum Flughafen der Hauptstadt gebracht worden, wo er der peruanischen Polizei übergeben wurde. Unmittelbar danach startete ein peruanischen Flugzeug mit dem ehemaligen Staatschef Richtung Lima.

Von 200 Polizisten bewacht
Dort sollte Fujimori zunächst im Hauptquartier der Sonderpolizei Dinoes im Stadtteil Ate inhaftiert werden, wie Innenminister Luis Alva Castro mitteilte. Auf dem Flughafen von Lima hielten sich 200 Polizisten bereit, um den Transport Fujimoris bis zu seiner Gefängniszelle zu bewachen.

Nach wie vor hohes Ansehen
Der japanisch-stämmige Agraringenieur Fujimori genießt bei vielen seiner Landsleute nach wie vor hohes Ansehen. Vor sieben Jahren hatte er überraschend während einer Auslandsreise per Fax sein Amt niedergelegt. Der heutige peruanische Präsident Alan Garcia muss befürchten, dass im Prozess gegen Fujimori auch Menschenrechtsverbrechen und Korruptionsfälle während seiner ersten Amtszeit zwischen 1985 und 2000 zur Sprache kommen.

Grünes Licht für Auslieferung
Am Vortag hatte der chilenische Oberste Gerichtshof grünes Licht für die Auslieferung gegeben und damit die gegenteilige Entscheidung des Richters Orlando Alvarez vom vergangenen Juli revidiert. Der Vorsitzende Richter der Strafkammer des Obersten Gerichts, Alberto Chaigneau, erläuterte, dem Auslieferungsantrag sei in den Punkten der Massaker von Barrios Altos und La Cantuta sowie in sechs Fällen von Korruption stattgegeben worden.

"Es ist ein erster Sieg"
Angehörige von Opfern äußerten sich erleichtert. "Es ist ein erster Sieg, aber es bleibt abzuwarten, ob die peruanische Justiz ihn wirklich verurteilt", sagte Gisela Ortiz in Lima, deren Bruder Luis Enrique 1992 ermordet worden war. In der Universität La Cantuta hatten die Sicherheitskräfte 1992 einen Professor und neun seiner Studenten ermordet. In der Hauptstadt Lima waren 1991 im Viertel Barrios Altos 15 Zivilisten erschossen worden.

Korruptionsaffären
Fujimori hatte sich 2000 wegen zahlreicher Korruptionsaffären bei einer Reise nach Japan, der Heimat seiner Vorfahren, abgesetzt. Dort war er wegen seiner japanischen Staatsbürgerschaft vor einer Auslieferung sicher. 2005 tauchte er aber in Chile auf und wurde dort festgenommen. Während seiner Amtszeit hatte er die Wirtschaft Perus angekurbelt und die linke Terrorgruppe Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) niederkämpfen lassen. 1992 gelang es, den lange gesuchten Sendero-Führer Abimael Guzman ("Presidente Gonzalo") festzunehmen. Beim Kampf gegen die Guerilla begingen Polizei und Militär jedoch schwere Menschenrechtsverbrechen.

Spektakuläre Befreiungsaktion
Besonderes Aufsehen erregte die spektakuläre Befreiungsaktion vom 22. April 1997, als peruanische Soldaten auf Befehl Fujimoris die japanische Botschafterresidenz stürmten. Rebellen der Tupac Amaru (MRTA) hatten dort vier Monate lang zahlreiche Diplomaten festgehalten. Auch der österreichische Botschafter in Peru, Arthur Schuschnigg, war einige Tage lang in den Händen der Rebellen. Alle 14 Guerilleros, eine Geisel sowie zwei Soldaten kamen bei der Befreiungsaktion ums Leben.

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