22. November 2009 15:57
Bei der Präsidentenwahl in Rumänien können offenbar Amtsinhaber Traian
Basescu und sein sozialdemokratischer Herausforderer Mircea Geoana in der
zweiten Runde gegeneinander antreten. Laut am Sonntagabend nach Wahlschluss
veröffentlichten Exit-polls liegt Basescu mit 32-34 Prozent knapp vor
Geoana, dem Chef der Sozialdemokratischen Partei (PSD), der 30-31 Prozent
erhielt. Die Stichwahl zwischen Basescu und Geoana erfolgt am 6. Dezember.
Crin Antonescu, der drittgereihte Kandidat und Chef der Nationalliberalen
Partei (PNL), konnte nur etwa 20 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen.
Wahlbetrugsversuche
Die Wahl wurde durch zahlreiche Meldungen
über Wahlbetrugsversuche überschattet. Ein Sprecher des Innenministeriums
erklärte, dass bis 17.00 Uhr 620 Zwischenfälle registriert wurden, in 26
Fällen wurde eine strafrechtliche Verfolgung eingeleitet. In Rumänien findet
neben der Präsidentschaftswahl auch ein Referendum zur Verkleinerung des
Parlaments statt. Um 16.00 Uhr lag die Beteiligung bei der
Präsidentschaftswahl bei 36,19 Prozent, bei der Volksabstimmung bei knapp 34
Prozent.
Auch die Parteien der chancenreichsten Kandidaten reichten jeweils mehrere
Beschwerden über angebliche Gesetzwidrigkeiten in Wahllokalen beim Zentralen
Wahlbüro ein. Die Liberaldemokratische Partei (PNL) verlangte die Ausweisung
der Wahlbeobachter des Meinungsforschungsinstituts INSOMAR aus den
Wahllokalen, weil dessen Exit-Poll-Ergebnisse bereits vor Schließung der
Wahllokale veröffentlicht wurden. Der Chef der Ungarn-Partei UDMR, Bela
Marko, gab wiederum - entgegen den Gepflogenheiten - gleich nach Verlassen
des Wahllokals bekannt, dass er beim Referendum mit "nein"
gestimmt habe.
Insgesamt vier Institute veröffentlichten noch vor Schließung der Wahllokale
ihre Exit-Polls als "inoffizielle Schätzungen". Zwei davon
platzieren den amtierenden Präsidenten Traian Basescu, der von der
Liberaldemokratischen Partei (PDL) unterstützt wird, an erster Stelle, bei
den anderen beiden zeichnet sich ein Wahlsieg seines sozialdemokratischen
Herausforderers Mircea Geoana (PSD) ab.
Festnahmen wegen versuchter Wahlbestechung
Bereits vier Personen
wurden wegen versuchter Wahlbestechung festgenommen, zwei in der
mittelrumänischen Stadt Brasov (Kronstadt), zwei im südlichen Giurgiu. Hier
sagten mehrere Wähler aus, dass die beiden Männer ihnen 30 Lei (7,00 Euro),
angeboten hätten, um für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen. Es ist das
erste Mal, dass in Rumänien Wahlbestechungsversuche juridische Folgen haben.