Familie der deutschen Geisel kritisiert Berlin

Afghanistan

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Familie der deutschen Geisel kritisiert Berlin

Die Familie des in Afghanistan verschleppten deutschen Bauingenieurs Rudolf B. hat schwere Vorwürfe gegen die eigene Regierung erhoben. "Obwohl wir von Anfang an wussten, dass die Entführer auch eine Lösegeld-Forderung gestellt haben, wissen wir nicht, ob die Regierung eine Zahlung in Betracht zieht. Vermutlich will man in Berlin Härte zeigen und weiteren Entführungen in Afghanistan vorbeugen", sagte der Sohn des 62-Jährigen in einem Interview des Senders Antenne Bayern. Er befürchte, die deutsche Regierung könnte an seinem Vater ein Exempel statuieren.

Ärzte bieten hilfe an
Eine Gruppe von afghanischen Ärzten hat am Freitag angeboten, den verschleppten deutschen Bauingenieur Rudolf B. medizinisch zu versorgen. "Sein Gesundheitszustand ist sehr besorgniserregend", sagte der Arzt Mohammad Hashim auf einer Pressekonferenz in Kabul. Hashim, dessen Privatklinik schon vor zwei Wochen Medikamente an die südkoreanischen Geiseln übermittelt hatte, erklärte sich bereit, sich zu dem verschleppten Mann zu begeben und ihn zu behandeln. "Wir können auch den Geiselnehmern telefonisch Anweisungen geben", fügte der Mediziner hinzu. Der Deutsche war am Donnerstag erneut auf einem Video zu sehen gewesen, auf dem er sehr geschwächt und krank wirkte.

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Nach der Veröffentlichung des neuen Videos von Rudolf B. lebe die Familie in größter Sorge. Der 62-Jährige, der sich seit dem 18. Juli in der Gewalt der Entführer befindet, hatte darin eindringlich um HIlfe gebeten. "Ich bin in einer sehr schlechten Verfassung", sagt er.

Kritik der Familie
Auch die geschiedene Frau des entführten Bauingenieurs äußerte sich kritisch. "Seit fünf Wochen ist der Vater meiner Söhne bereits verschleppt und es ist kein Ende abzusehen", sagte die Frau aus Ottobrunn bei München dem Sender. Die Angehörigen hätten Schreiben an Außenminister Frank-Walter Steinmeier, an Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel versandt. "Auch mit dem Leiter des Krisenstabes habe ich bereits telefoniert. Bisher haben wir nur eine Rückantwort von Herrn Steinmeier erhalten, in dem er lediglich sein Bedauern ausdrückt. Unsere Bitte um ein persönliches Gespräch wurde ignoriert." Die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt in Berlin sei schlecht.

Stoiber soll helfen
Die Familie wende sich über Antenne Bayern nun direkt an den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. "Wir bitten Sie, alles Menschenmögliche zu tun, um einen Mitbürger, der in Not geraten ist, aus der Geiselhaft zu befreien. Wir sind der Situation als Familie hilflos ausgeliefert, bitte helfen Sie uns, bitte helfen Sie unserem Vater."

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