22. Juli 2008 07:29
"Eine bessere Nachricht könnte es nicht geben", war von Menschen, die sich
im Stadtzentrum versammelten, immer wieder zu hören, nachdem die Festnahme
des ehemaligen Präsidenten der bosnischen Republika Srpska bekannt wurde. "Dies
ist ein großer Tag für Bosnien-Herzegowina", erklärte der Präsident des
dreiköpfigen bosnischen Staatspräsidiums, Haris Silajdzic, in einer
Aussendung.
"Auch Mladic muss festgenommen werden"
Er sprach von
einer "großen Satisfaktion für die Opfer der Familien". Aber ohne die
Festnahme des bosnisch-serbischen Ex-Militärchefs Ratko Mladic sei "die
Gerechtigkeit nicht komplett". Die Festnahme von Karadzic sei "historisch
für Bosnien-Herzegowina". Diese werde sich auf die Situation in Bosnien
positiv auswirken. Auch Zlatko Komsic, das kroatische Mitglied des
bosnischen Staatspräsidiums, sprach laut Mitteilung seines Büros von einem
"großen Tag für Bosnien-Herzegowina und die Gerechtigkeit".
Sulejman Tihic, Vorsitzender der Partei für die Demokratische Aktion (SDA),
führte die Karadzic-Festnahme auf die Arbeit der neuen serbischen Regierung
zurück. Es handle sich "wahrhaftig um eine gute Nachricht für die
Gerechtigkeit und die Opfer". Dass die Festnahme von Karadzic zur
Destabilisierung in Bosnien führen könne, glaube er nicht, betonte Tihic.
Die Medien in Sarajevo unterbrachen nach der Information über die Festnahme
von Karadzic ihre Programme und senden seither Sondersendungen.
Vonseiten der Republika Srpska keine Reaktion
Eine Sprecherin des
Innenministeriums bestätigte für die serbische Nachrichtenagentur Tanjug,
dass Banja Luka über die Festnahme vom serbischen Nationalen Sicherheitsrat
informiert worden sei.
Serbien habe einen Schritt gemacht, den man für undenkbar gehalten habe,
stellte unterdessen die Belgrader Menschenrechtsvertreterin Natasa Kandic
gegenüber dem Sender B-92 fest. Sie selbst habe nicht geglaubt, dass
Karadzic jemals festgenommen werde, da er "jahrelang sogar den Schutz der
Kirche genossen hat". Die Festnahme Karadzics habe auch die Tür für die
Festnahme seines einstigen Militärchefs Mladic und des ehemaligen Chefs der
kroatischen Serben, Goran Hadzic, geöffnet, meinte die Leiterin des Fonds
für humanitäres Recht in Belgrad, der seit Jahren als wichtige Adresse gilt,
wenn es um Kriegsverbrechen auf dem Gebiet Ex-Jugoslawiens geht.
Karadzic wurde nach serbischen Medienberichten am Montag in Belgrad von
serbischen Sicherheitskräften festgenommen. Wo und wann genau Karadzic
festgenommen wurde, war zunächst nicht bekannt.