21. Februar 2009 15:37
Das berüchtigte Gefängnis Abu Ghraib im Irak ist unter neuem Namen
wiedereröffnet worden. Es heißt jetzt "Zentralgefängnis Bagdad", verfügt
über Freizeiteinrichtungen, Trainingsgeräte, Computer, eine Bücherei und
Gewächshäuser. Die Behörden wollen sich diesmal der Sorgen der
Menschenrechtsverfechter annehmen. Diese haben jahrelang Überbelegung und
Folter in irakischen Haftanstalten angeprangert.
Folterskandal durch US-Soldaten
Abu Ghraib ist zum Symbol
amerikanischer Menschenrechtsverstöße geworden, nachdem 2004 Fotos in der
Öffentlichkeit auftauchten, die zeigten, wie irakische Häftlinge von
US-Soldaten sexuell gedemütigt und misshandelt wurden. Nach einem Umbau
hatte das US-Militär die Haftanstalt im August 2003 in Betrieb genommen. Im
Jänner 2004 meldete ein Militärpolizist seinen Vorgesetzten Misshandlungen
an Gefangenen. Einen Tag später soll auch der damalige Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld informiert worden sein.
Charles Graner und Lynndie England
Auf den Bildern, die über den
amerikanischen Fernsehsender CBS an die Öffentlichkeit gelangten, waren
nackte Gefangene zu sehen, die zu einer Pyramide aufgetürmt oder wie Hunde
an der Leine geführt wurden. Kurz nach Bekanntwerden des Folterskandals
suspendierte das Pentagon 17 Soldaten, sieben weitere wurden angeklagt.
Traurige Berühmtheit erlangten vor allem der Stabsgefreite Charles Graner
und die Soldatin Lynndie England - beide argumentierten, Vorgesetzte hätten
die Misshandlungen initiiert oder geduldet. England wurde im September 2005
zu drei Jahren Haft verurteilt.
Die Zahl der im Irak getöteten US-Militärs seit der Invasion im März 2003
liegt bei mindestens 4.246.
Foto: (co) AP