Fünfzig Bundesheer-Pioniere starten in den Tschad

Afrika-Einsatz

Fünfzig Bundesheer-Pioniere starten in den Tschad

"Wir fliegen nicht in den Urlaub." Angespannt, "aber ohne Angst" sehen jene rund 50 Soldaten, die Dienstag früh von Linz-Hörsching aus mit einer Zivilmaschine in den Tschad gestartet sind, den kommenden Wochen entgegen. Sie verstärken das Vorauskommando, das bereits seit 30. Jänner in der afrikanischen Krisenregion ist. Ihre Aufgabe ist die Errichtung eines Lagers für die österreichischen Soldaten.

Zwei Monate Arbeit unter harten Bedingungen
Etwa zwei Monate dürfte die Arbeit der Pioniere dauern: Sie stellen Zelte auf, schaffen Hygieneeinrichtungen und Essplätze, bauen eine Strom- und Wasserversorgung auf. Besonders wichtig im afrikanischen Klima: Sonnenschutz. Oberleutnant Bernhard Weingartmann kommandiert diese Arbeiten. Zu Hause wartet sein zweieinhalb Jahre alter Sohn auf ihn. Natürlich mache sich die Familie Sorgen, sagt er, aber die Angehörigen würden laufend über die aktuelle Situation unterrichtet: "Information ist die beste Beruhigung für die Daheimgebliebenen."

Zwei Frauen an Bord
Gabriela Lendowitsch ist eine von zwei Frauen, die mit an Bord sind. Die niederösterreichische Ärztin ist die einzige Zivilistin im Team. Für sie ist es nicht der erste Einsatz in der Krisenregion: Sie war mit dem Roten Kreuz schon zweimal im Sudan, mit dem Bundesheer war sie vor einigen Jahren im Kosovo. Angespannt sei sie schon, aber: "Wenn ich Angst hätte, wäre ich wohl nicht richtig hier."

In der ersten Zeit rechnet die kinderlose Anästhesistin, die eine Ausbildung in Tropenmedizin hat, in erster Linie mit Durchfallerkrankungen und mit Infektionen, vor allem der Atemwege, bis sich alle akklimatisiert haben. Vorgesorgt habe man jedenfalls gut: Alle Soldaten, die in den Tschad fliegen, müssen eine Malaria-Prophylaxe nehmen. An Impfungen hätten sie "alles, was es gibt", erklärte Lendowitsch.

"Gutes Gefühl" auf dem Weg nach Afrika
Oberstabswachtmeister Konrad Zankl aus Oberösterreich freut sich, "dass es endlich losgeht". Er fahre "mit einem guten Gefühl" nach Afrika. Auch der Rest der Truppe wirkt kurz vor dem Abflug um 8.00 Uhr recht entspannt. Rasch werden noch zahlreiche Telefonate geführt, bevor Streitkräftekommandant Generalleutnant Günter Höfler mit sehr persönlichen Worten an seine Mannschaft wendet: Er unterstrich die Notwendigkeit, Menschen in Not zu helfen - "und Sie tun das." "Passen Sie auf sich und Ihre Kameraden auf."

Während die Pioniere nach Erledigung ihrer Aufgabe wieder nach Hause fahren dürfen, bleiben die übrigen Soldaten - beispielsweise Ärzte, Sanitäter und andere Fachleute - voraussichtlich länger. Ihr Einsatz kann bis zu vier Monate dauern. Vertreten sind alle Bundesländer außer Vorarlberg, besonders viele Soldaten kommen aus der Steiermark und aus Niederösterreich.

Opposition kritisiert Bundesheer
Unterdessen hat FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache neuerlich den sofortigen Stopp des Tschad-Einsatzes gefordert. Es sei von Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) "leichtfertig und verantwortungslos, heute weitere 50 österreichische Soldaten in diese Krisenregion nach Zentralafrika zu entsenden", erklärte Strache am Dienstag in einer Aussendung. Der FP-Chef appellierte an "die Kriegsminister Darabos und (Außenministerin Ursula) Plassnik (V), etwaige europäische Großmachtattitüden und sonstige Profilierungsbestrebungen in dieser heiklen Frage hintanzustellen".

Es gehe um "die Sicherheit unserer Soldaten, aber auch um die Wahrung der österreichischen Neutralität". Der Tschad-Einsatz sei deshalb fahrlässig und verantwortungslos und solle sofort eingestellt werden, so Strache. Die "Doppelrolle" Frankreichs im Tschad - einerseits die Unterstützung der Regierung des Präsidenten Idriss Déby, andererseits das Engagement in der EUFOR - bedeute auch für Österreich, "in diesem Einsatz nicht unparteilich zu sein", und das sei "mit unserer Neutralität keinesfalls vereinbar", so Strache. Die "nicht kalkulierbaren Gefährdungen und Risiken" für die Soldaten würden dadurch gesteigert, dass Rebellengruppen im Tschad "nicht im Geringsten österreichische Soldaten von französischen unterscheiden" würden. Die Gefahr, dass Soldaten des Bundesheers direkt in Kriegshandlungen verwickelt werden, sei sehr groß, befürchtet Strache.

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