G-8 fixieren Halbierung der Emissionen bis 2050

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G-8 fixieren Halbierung der Emissionen bis 2050

Die G-8-Staaten haben zum Abschluss ihres Gipfeltreffens im japanischen Toyako die Halbierung der Treibhausgas-Emissionen als Ziel bis 2050 festgeschrieben. Allerdings gelang es ihnen am Mittwoch nicht, auch die anderen wirtschaftlich bedeutenden Staaten darauf zu verpflichten. Die 16 führenden Wirtschaftsmächte bekannten sich bei einem Spitzentreffen zum gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel, legten aber keine konkreten Ziele fest. Eineinhalb Jahre vor der entscheidenden UNO-Konferenz erlitten die Bemühungen um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll damit einen Dämpfer.

Mit dem Treffen endete der dreitägige G-8-Gipfel, bei dem der Klimaschutz, die Afrika-Hilfe, die Lage in Simbabwe und die hohen Öl-und Lebensmittelpreise im Mittelpunkt standen. Zum Abschluss war die G-5 der wichtigsten Schwellenländer zu Gast, der China, Indien, Südafrika, Mexiko und Brasilien angehören. Mit dieser Gruppe will die G-8 künftig noch enger kooperieren. Im nächsten Jahr sollen die 2007 in Heiligendamm begonnenen Konsultationen auf einen ganzen Tag ausgeweitet werden. Eine Erweiterung der Gruppe der Acht ist dagegen zunächst vom Tisch.

Zu den Unterredungen der G-8 und der G-5 kamen später Australien, Südkorea und Indonesien hinzu, um über den Klimaschutz zu beraten. Die 16 Wirtschaftsmächte sind gemeinsam für rund 80 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

China und Indien stellen sich gegen Klimaziele
Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien haben den G-8-Klimazielen einen Dämpfer verpasst. Die beiden Großemittenten von Treibhausgasen wollen den Plan der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) nicht mittragen, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Der chinesische Präsident Hu Jintao sagte nach einem Treffen mit den G-8-Staats- und Regierungschefs, die Hauptlast beim Klimaschutz müssten zunächst die entwickelten Länder tragen. Indiens Regierungschef Manmohan Singh forderte die Industrienationen auf, die von ihnen in Anspruch genommene Führungsrolle beim Klimaschutz auch wahrzunehmen.

Ziel bezieht sich auf derzeitige Zahlen
Japans Regierungschef Yasuo Fukuda, der Gastgeber des G-8-Gipfels auf der Insel Hokkaido, erklärte auf einer abschließenden Pressekonferenz, die Verringerung der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent beziehe sich auf die derzeitigen Zahlen. Ausgangspunkt sei eindeutig der Jetzt-Zustand der Emissionen, antwortete er auf eine entsprechende Frage.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Verständigung mit den Schwellenländern sei maßgeblich auf dem Weg zu einem neuen UNO-Abkommen. Sie erwartet allerdings noch harte Verhandlungen. "Man ist weit, aber ich habe auch eine ungefähre Vorstellung von der Größe der Aufgabe, die noch zu erledigen ist", sagte sie. Das G-8-Abkommen wertete Merkel zwar als großen Erfolg, forderte aber gleichzeitig mittelfristige Klimaziele. "Ohne ambitionierte Zwischenziele der Industrieländer werden die Entwicklungsländer gar keine Ziele setzen", meinte sie.

US-Präsident George W. Bush würdigte die Ergebnisse des dreitägigen Treffens als "sehr produktiv". Insbesondere in der Klimafrage sah Bush "bedeutsame Erfolge" auf dem Weg zu einer gemeinsamen Haltung. Er sagte, es sei erstmals gelungen, die Führer der größten Volkswirtschaften der Erde an einen Tisch zu bringen.

Ban nicht zufrieden
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon bezeichnete die Ergebnisse des Gipfeltreffens als nicht ausreichend. Das langfristige Ziel, die Treibhausgase bis zum Jahr 2050 um mindestens 50 Prozent zu verringern, sei zwar ein "deutlicher Schritt vorwärts", es sei jedoch mehr erforderlich.

Die Hilfsorganisation Oxfam zog eine sehr kritische Bilanz: "Fortschreitender Klimawandel, galoppierende Nahrungsmittelpreise und Verschärfung der Armut rauben Millionen von Menschen ihre Einkommensgrundlagen und kosten sie in vielen Fällen sogar das Leben. Dieser Herausforderung war der G-8-Gipfel nicht gewachsen."

Der Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, sagte auf NDR-Info, die großen Industriestaaten täten sich "viel zu schwer, große Schritte nach vorne zu tun". Es werde weiterhin so getan, als ließe sich die Verantwortung "erst einmal auf China oder Indien abwickeln". Außerdem sei es schwierig, andere Länder an den Verhandlungstisch zu holen, wenn es keine klaren Vorgaben gäbe.

Der G-8 gehören die USA, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland an. Den nächsten Gipfel der Gruppe der Acht richtet Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi 2009 als künftiger G-8-Vorsitzender auf La Maddalena vor Sardinien aus.

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