Giftiges Wahlfinale in Italien

ÖSTERREICH

Giftiges Wahlfinale in Italien

Der Skandal in Italien um gepanschten Wein weitet sich aus. In Brüssel schrillen nun die Alarm­glocken. Die EU-Kommission verlangte von den italienischen Behörden Informationen über die angeblich gefährlichen Substanzen wie Düngemittel und Salzsäure, die in billigen Wein gemischt wurden.

Blitzreaktion
Die Antwort aus Rom ließ nicht lange auf sich warten: „Es ist nichts ­Illegales, nur Wasser und Zucker“, so Manuel Jacoangeli, Sprecher der italienischen Repräsentanz in der EU-Hauptstadt Brüssel. Die Produktion des betroffenen Weines sei in Übereinstimmung mit den „önologischen Richtlinien“ erfolgt, versuchte man zu beruhigen.

Ob sich Brüssel mit dieser Antwort zufrieden geben wird, darf bezweifelt werden, ermitteln doch bereits seit September 2007 zwei Staatsanwaltschaften in acht Regionen Nord- und Süditaliens gegen insgesamt 20 Betriebe. Laut Labor-Analysen enthalte das als Wein bezeichnete Gesöff höchstens 40 Prozent Rebensaft, ansonsten Flüssigdünger und weitere chemische Stoffe, Wasser, Zucker, sogar Salzsäure.

Langzeitfolgen
Die verbotenen Zusatzstoffe würden erst nach und nach, bei fortwährendem Genuss des Weines, zu Gesundheitsschäden führen, warnte das italienische Wochenmagazin L’espresso – und sprach vom „größten Betrug aller Zeiten“. Der Skandal im Skandal: Ein Teil dieser aufgedeckten 70-Millionen-­Liter-Produktion soll noch in Supermärkten ausliegen – angeblich nur in Italien. Sogar bedeutende Winzereien wie „Antinori“ oder „Banfi“ sollen gepanscht haben.

Schlechter Zeitpunkt
Der Wein-Skandal kommt der Regierung in Rom eine ­Woche vor den Parlamentswahlen äußerst ungelegen. Denn auch der Wirbel um den mit Dioxin versetzten Mozzarella-Käse stößt den Italienern sauer auf. Vom unappetitlichen Müll-Chaos in der Millionenstadt Neapel ganz zu schweigen.(muw)

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